Berlin : Der Markusplatz: Schaukeln machte mehr Spaß als Kino

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Jeder Handgriff ist ein Treffer. Mit traumhafter Sicherheit zieht Wolfgang Holtz zahlreiche Ordner und Fotomappen aus den Schränken, die das Gespräch über den Markusplatz mit Zeitdokumenten bereichern. Es kommt ein Erzählfluss zustande, der aus historischen Fakten, Anekdoten und Versatzstücken aus dem eigenen Leben besteht - und der sich ohne Unterbrechung mit dem Charme eines passionierten Heimatforschers mischt.

Wenn Holtz über den Platz spricht, gerät er oftmals ins Schwärmen. Dann springt er von einer Geschichte in die nächste, kommt über einen weiten Bogen der Berliner Architekturgeschichte nach Steglitz und treibt wieder ab. Es ist, als ob der Grundschullehrer sein Hobby mit dem Beruf verwechselt hat. Denn das nimmt die meiste Zeit in Anspruch: Gleich nach der Arbeit geht es gewöhnlich in die Räume des Steglitzer Heimatvereins in der Drakestraße, dessen Vorsitzender er seit drei Jahren ist.

Holtz kennt den Platz aus seiner Grundschulzeit. Die Erlebnisse als junger Eleve an der Markusschule illustrieren heute das Wissen über die Geschichte dieses Steglitzer Kiezes. Den Umzug der ehemaligen Jungenschule in die Grundschule am Insulaner erzählt er so, als wäre es gestern: "Als Sechstklässler durften wir die Sachen damals von der Karl-Stieler-Straße zu Fuß in die neue Schule tragen. Mit Schlangen und ausgestopften Vögeln zogen wir durch die Straßen", erzählt er. Das war 1962. Und nur für einen Tag war er Schüler am Insulaner - zur Zeugnisausgabe. Heute ist er selber dort Lehrer für Sport und Erdkunde.

Oft sei er damals über den Platz gestreift und am Spielplatz vorbeigekommen. "Wir wollten eigentlich in die Lichtspiele am Park, sind aber immer an den zwei tollen Schaukeln hängen geblieben." Die waren besser als Kino. Der Platz sei ein Treff- und Identifikationspunkt gewesen. "Jedes Mal wurden die Klassenfotos auch dort gemacht", sagt Holtz.

Heute fährt er mit dem Fahrrad noch jeden Tag am Markusplatz vorbei. Dann blickt er auf die neue, alte Grünanlage, die nach historischem Vorbild gestaltete Idylle, mit dem Brunnen in der Mitte. "Der Brunnenstein ist nur eine Kopie, das Original wurde letztens zufällig in Lankwitz entdeckt. Gleich ging die Anfrage wieder an mich", erzählt er.

Mit seinem Wissen über Steglitz dient er vielen als lebendes Lexikon. Die Recherchen reißen kaum ab: "Aber wenn ich was anfange, bleibe ich auch dran." Dadurch weiß der Heimatforscher, ehrenamtliche Museumsleiter, Architekturhistoriker und Lehrer auch so viel über den Markusplatz. Geschichte wird sympathisch.

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