Berlin : Der Milliarden–Euro-Mann

Ulrich Stange, der Chef der Hochbauabteilung des Senats, geht in Pension. Acht Vorgesetzte hat er erlebt.

Christian van Lessen

Ob Flughafen Tegel, Schaubühne am Lehniner Platz, Kammermusiksaal, Messe-Erweiterung, Jüdisches Museum , Hamburger Bahnhof: Die Liste öffentlicher Bauvorhaben, an denen er mitgewirkt hat, umfasst weit über 50 größere Projekte. Er hat gut und gern Milliarden Euro vermauern oder in Beton gießen lassen. Als langjähriger Leiter der Abteilung Hochbau in der Senatsbauverwaltung war er aber hinter den Kulissen, wenn Senatoren das Wort führten. Architekten und Ingenieure wollen ihn am heutigen Freitag mit einer Feier in der Akademie der Künste würdigen und verabschieden: Ulrich „Uli“ Stange tritt ab, geht mit 65 in Pension. In der Senatsbauverwaltung hat er fast 37 Jahre verbracht. Man sieht’s ihm nicht an, er wirkt keineswegs staubgrau, vom Arbeitsalltag ermattet, eher wie ein agiler Künstler. Mitarbeiter sagen, er sei ein unkonventioneller Typ.

Nach Abitur, Maurerlehre und Architekturstudium begann er die Laufbahn eher aus Verlegenheit. Auch 1966 sah der Arbeitsmarkt mau aus, aber der Senat suchte Referendare. Der damalige Bausenator Rolf Schwedler stellte den jungen Architekten ein, Stange machte sich auf den Dienstweg nach oben, bis er nach wenigen Jahren Projektleiter für öffentliche Bauten wurde. Als der neue Flughafen Tegel entstand, war er schon Oberbaurat, kürzte Millionen aus dem Bauprogramm, was ihm Respekt einbrachte. „Das Wort Giftliste habe ich erfunden.“

Eines seiner liebsten Projekte war der Umbau des denkmalgeschützten Mendelsohn-Baus am Lehniner Platz zur Schaubühne, Stange spricht stolz von einem „Schöpfungsakt“. Auch das Jüdische Museum von Daniel Libeskind gehört dazu, der Architekt nannte ihn nur „Uli“ und stimmte einer „Wahnsinnsabspeck-Arie“ zu. Libeskind sei sehr pragmatisch und kooperativ gewesen, anders als etwa Messe-Architekt Ungers. Beim Bau des Kammermusiksaals gab es mit dem Architekten Edgar Wisniewski richtig Zoff, Stange wurde sogar zum Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen zitiert und musste versprechen, mit dem Bau neben der Philharmonie bis zur 750-Jahr Feier 1987 fertig zu werden. Immer gab es Ärger über Baukosten, die im Westteil der Stadt höher waren als anderswo. Stange spricht von einem „Sonderfall in Berlin“, um das hässliche Wort Mafia zu vermeiden. „Wir führen als Hochbauleute nur den politischen Willen durch“, sagt er bescheiden und stolz zugleich: „Ich war der Macher in der Verwaltung“. Acht Bausenatoren hat er erlebt, an Harry Ristock und Klaus Franke erinnert er sich am liebsten. Der erste habe sich gern beraten lassen, der zweite gleich gesagt, dass er keine Ahnung habe. „Machen Sie’s, ich steh dahinter.“ Mit dem letzten Vorgesetzten, Peter Strieder, stimmte die Chemie nicht. Strieder organisierte um, beschnitt Kompetenzen. Aber da hatte Stange schon das Pensionsziel vor Augen: ein Buch schreiben, über unbekannte Dimensionen des Geistes. Keine Zeile übers Bauen.

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