Berlin : Der Minister geht, sein Wissen bleibt

Regierung will Fürniß’ Kenntnis in Sachen Chipfabrik weiter nutzen

Michael Mara

Potsdam/Frankfurt (Oder). Wie geht es mit der Chipfabrik in Frankfurt an der Oder weiter? Diese Frage beunruhigt nach dem Rücktritt von Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß nicht nur Politik und Wirtschaft in der Oder-Stadt, sondern auch die Landesregierung. Die setzt, wie Ministerpräsident Matthias Platzeck in seiner Regierungserklärung deutlich machte, nach wie vor auf das 1,3-Milliarden-Dollar-Projekt, an dem das Land finanziell beteiligt ist. In Regierungskreisen wird darauf verwiesen, dass Fürniß die Chipfabrik zur Chefsache gemacht habe und wie „niemand sonst“ in den Details stecke. Bisher sei nicht klar, wie die Scheichs in Dubai, die Hauptfinanziers der Chipfabrik, auf den Rücktritt von Fürniß reagierten. Er habe bei ihnen einen guten Namen. Das gleiche gelte für den US-Konzern Intel, der ebenfalls zu den Finanziers der Chipfabrik gehört.

Sowohl Platzeck wie auch der designierte Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns haben bereits angekündigt, dass sie bei weiteren Verhandlungen auf den Rat von Fürniß zurückgreifen wollten, der sich beim Sultan des benachbarten Emirats Sharjah eine Million Dollar geliehen hat. Fürniß hat nachdrücklich bestritten, dass es eine Verbindung zur Chipfabrik gebe und sich dies von den Scheichs in Dubai bestätigen lassen. Die Commerzbank, die zusammen mit der in Bahrain ansässigen Gulf International Bank B.S.C. das bislang fehlende Fremdkapital in Höhe von 650 Millionen US-Dollar zusammenbringen soll, regte deshalb bereits an, Fürniß weiter als Berater für die Chipfabrik zu beschäftigen. In Potsdam wird auch spekuliert, dass Fürniß Chef der Communicant AG werden könnte, die die Chipfabrik bauen und betreiben will. Dies wäre, hieß es gestern in Regierungskreisen, Sache der Communicant AG. Der Intel-Chef von Deutschland, Günther Jünger, sagte ebenfalls, ob und wie Fürniß eingebunden werde, sei allein eine Entscheidung der Communicant AG. Von Intel sind bereits 40 Millionen Dollar in das Vorhaben geflossen.

Fürniß selbst sagte zu den Spekulationen, dass sich das Thema für ihn nicht stelle. Aber wenn er gebeten werde, seine Erfahrungen zur Verfügung zu stellen, werde er das selbstverständlich tun: „Ich möchte, dass das Projekt verwirklicht wird.“ Auch die Communicant AG betonte, dass man „selbstverständlich“ auf Fürniß’ Rat zurückgreifen" werde. Er sei ein wichtiger Wegbereiter des Projekts gewesen, so Sprecher Wulf Buschardt. Ein Eintritt von Fürniß in die Firma sieht man aber auch dort als reine Spekulation an.

Wie in diesem Zusammenhang aus Kreisen der Landesregierung verlautete, stehen weitere personelle Veränderungen an der Spitze der Communicant AG an: Der bisherige Vorstand Dirk Obermann, früher Büroleiter bei Fürniß, werde ausscheiden. Es gebe bereits einen Aufhebungsvertrag , heißt es. Hintergrund: Schon seit Monaten gibt es schwere Spannungen zwischen dem neuen, von Dubai und Intel durchgesetzten Vorstandschef Abbas Ourmazd und Obermann. Wegen der Turbulenzen hat der aus Frankfurt (Oder) kommende Junghanns bereits angekündigt, dass er so bald wie möglich nach Dubai reisen werde. Dies wird von der dortigen IHK ausdrücklich unterstützt. Das politische Ende von Fürniß dürfe nicht das Ende der Chipfabrik bedeuten.

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