Berlin : Der missglückte Dank an den Senatskanzleichef

Weil seine Arbeit belohnt werden sollte, kam Jurist und Kunstfreund André Schmitz ins Gerede

Ulrich Zawatka-Gerlach

André Schmitz ist sein Geld wert. Jedenfalls das, was der Chef der Senatskanzlei derzeit verdient: 7664,40 Euro brutto monatlich. Das ist die Besoldungsgruppe für Staatssekretäre plus einer Stellenzulage von 82,83 Euro. Fünf Jahre hat Schmitz geräuschlos, ohne Fehl und Tadel, seinen Dienst im Roten Rathaus versehen. Und jetzt das. Die rechte Hand des Regierenden Bürgermeisters, bei dem die Fäden der Senatspolitik zusammenlaufen, ist ins Gerede gekommen, weil er 2300 Euro mehr verdienen soll. Das wäre dann fast so viel wie Senatoren bekommen.

Die amtliche Begründung: „Durch die Neuregelung der Senatsbildung wächst die Verantwortung des Chefs der Senatskanzlei“. So steht es in einem Gesetzentwurf, der regelt, dass der Regierende Bürgermeister künftig die Mitglieder des Senats ernennen und entlassen darf. Sie werden nicht mehr vom Parlament gewählt. Warum dies eine Beförderung um drei Gehaltsstufen rechtfertigt, wird nicht näher begründet. Klaus Wowereit (SPD), der selten lobt, hat es wohl als Anerkennung für gute Arbeit verstanden, als er mit Hilfe des Innensenators Ehrhart Körting die Idee ausheckte. Nach Rücksprache mit dem Bürgermeister und PDS-Spitzenkandidaten Harald Wolf und ohne Widerspruch im Senat, der die Gesetzesvorlage vor zwei Wochen beschloss. Jetzt will die PDS die höhere Besoldung im Parlament verhindern.

Schmitz wusste im Vorfeld nichts von seinem Glück. Nun empfindet er die großzügige Geste, auch das ist verbürgt, als ein Danaer-Geschenk. Früher war er Opernintendant, da verdiente er besser, aber Schmitz findet die Arbeit im Rathaus so spannend, dass er in der nächsten Wahlperiode, so hört man, gern weitermachen würde. Auch ohne üppige Gehaltserhöhung. Im Juni 2001 hatte ihm Wowereit den Job angeboten. Damals wäre der Volljurist Schmitz, der 1992 nach Berlin kam, lieber Staatssekretär für Kultur geworden. Schon während des Jurastudiums in Hamburg war er Regieassistent an den Kammerspielen. Seine Referendarzeit verbrachte er am Thalia-Theater und merkte: Als Verwaltungsdirektor lässt sich die Juristerei elegant mit den schönen Künsten verbinden. Zuerst am Stadttheater Hildesheim, dann an der Berliner Volksbühne. 1997 avancierte Schmitz zum Direktor der Deutschen Oper und übernahm später die Intendanz.

Mit dem Opernfreund Wowereit war er längst per Du, als ihn der Regierende in spe als Chef der Senatskanzlei anheuerte. Die SPD-Karteileiche Schmitz war politisch nicht gänzlich unerfahren. 1988 hatte ihn der damalige Hamburger Kultursenator Ingo von Münch (FDP) als persönlichen Referenten ins Amt geholt.

Schmitz ist ein feinsinniger, gebildeter, weltläufiger Mensch, der Englisch, Französisch und etwas Spanisch spricht. Hanseat ist er nicht, sondern 1957 in Oberhausen geboren, allerdings hat er in Hamburg das Abitur gemacht. Vielleicht gab ihm die Kindheit im Ruhrpott den etwas schrägen Humor mit, der Schmitz das Berufsleben an der Seite des anstrengenden Wowereit leichter macht. Ehrenamtlich engagiert sich Schmitz in diversen Freundes- und Fördererkreisen, etwa für die Villa Aurora, die Evangelische Akademie, die Historische Kommission und im Vorstand der Heinz-Schwarzkopf-Stiftung „Junges Europa“.

Ein Tausendsassa, der auch für den Senat in vielen kulturnahen Stiftungen und Kommissionen sitzt. Schmitz’ Faible für die Künste nährt das Gerücht, er werde nach einem Wahlsieg von Rot-Rot das von Thomas Flierl (PDS) betreute Kulturressort im Roten Rathaus unter seine Fittiche nehmen. Wer Schmitz kennt, der weiß, dass ihm solche Ideen völlig fremd sind. Er plädiert zwar intern dafür, Kultur und Wissenschaft im Senat endlich wieder zu trennen. Aber die Kulturpolitik sei so wichtig für die Hauptstadt, dass sie nicht in der Senatskanzlei verschwinden dürfe.

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