Berlin : Der Missionar

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VON TAG ZU TAG

David Ensikat über einen Streit am zauberhaften Checkpoint Charlie

Alwin Nachtweh hat nicht nur einen schönen Namen, sondern auch einen Keller voller Mauersteine und eine Mission. Er möchte seine Mauersteine verkaufen und außerdem den Touristen am Checkpoint Charlie sagen: Schaut Leute, hier war die Mauer, hier, wo ihr jetzt steht, ein Riesending war das, scheußlich. Alwin Nachtweh hat einen Stand mit Mauersteinen am Checkpoint und er ist sehr gesprächig. Die Touristen finden das gut. Sie kommen ja her, weil sie hier einen Rest Geschichte vermuten. Außer Alwin Nachtweh finden sie nur bunte Buden, mit arabischen Pfeifen und russischen Mützen.

Die Buden mit den Pfeifen und den Mützen müssen Ende dieses Jahres verschwinden, denn dann wird das CheckpointCharlie-Museum das Budengelände pachten. Das Checkpoint-Charlie-Museum hat ungefähr die gleiche Mission wie Alwin Nachtweh.

Zu allererst, also sofort, muss aber Alwin Nachtweh weg. Ihm haben die Budenbosse jetzt seinen Stand gekündigt, weil er der Presse was Dummes gesagt hat. Er hat gesagt: Ich entzaubere den Budenzauber.

Klar, dass das den Budenbossen zu weit ging. Entzaubern ist ja okay, so lange es die Touristen freut. Man hat ja Alwin Nachtweh für wenig Geld genau deshalb hier stehen lassen. Er war der Mann fürs Historische. Dass der aber seine historische Mission der Presse verrät, das war nicht ausgemacht.

Nun also gibt es Budenzauber pur, ein paar Monate noch, und Alwin Nachtweh weiß nicht, wohin mit seiner Mission.

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