Berlin : Der Mörder ist nicht immer der Gärtner

Beim Criminal-Weekend im Hotel Kempinski können Krimifreunde einmal selbst Detektiv spielen und Verbrecher fangen

Moritz Honert

Nur ein überraschter Blick, ein kurzes Röcheln, dann klappt der Gastgeber über seinem Teller zusammen. Eben noch saß man in ausgelassener Runde beim Diner, plötzlich liegt der Sitznachbar regungslos auf dem Tisch. Tot. Vergiftet. Statt Angst und Schrecken machen sich bei den Beobachtern jedoch freudiges Interesse und erregte Spannung breit. Wie kam das Gift ins Essen? Warum wurde hier gemordet? Und vor allen Dingen: Wer hat das getan?

Wer nun glaubt, in eine Versammlung von Unmenschen geraten zu sein, irrt. Er befindet sich mitten in einem Criminal-Weekend. Einer Schauspielinszenierung, bei der die Zuschauer selbst zu Detektiven werden und bei der Aufklärung eines fiktiven Mordes mithelfen müssen.

Manche mögen es bezeichnend finden, dass in der heutigen Zeit ausgerechnet Mord und Totschlag zum Gegenstand der Unterhaltung werden und unbescholtene Bürger dabei auch noch mitspielen. Die Lust am Nervenkitzel ist aber sicher älter als das Krimigenre selbst. Wer in seiner Freizeit also am liebsten mit „Tatort“ oder Hitchcock abschaltet und schon immer mal selbst in die Rolle von Sherlock Holmes oder Miss Marple schlüpfen wollte, hat dazu in Kürze in Berlin die Gelegenheit. Am 11. und 12. November findet im Hotel Kempinski am Kurfürstendamm wieder ein solches Mitmach-Schauspiel statt.

„Die Idee zu den Criminal-Weekends stammt aus England“, erzählt Eleonore Hain. „In der Heimat von Sir Arthur Conan Doyle und Agatha Christie haben solche Detektivspiele schon seit über 20 Jahren Tradition.“ Mit ihrer Firma Incident Tours war Hain 1994 die erste, die Detektivspiele dieser Art nach Deutschland holte. Mit Erfolg. Zwölf Jahre später hat sie reichlich Konkurrenz bekommen. Rund ein halbes Dutzend Firmen veranstalten inzwischen solche Mitmach-Veranstaltungen, und zu den Kunden zählen nicht nur Privatpersonen. Auch Firmen buchen die traditionell in noblen Hotels stattfindenden Veranstaltungen für Betriebsausflüge und schätzen die durch die gemeinsame Knobelei entstandene Stärkung des Teamgeistes.

„Unsere Fälle werden von uns für den jeweiligen Ort und Anlass maßgeschneidert“, erklärt Hain. Zum Repertoire gehören dabei Entführungsfälle, bei denen das Opfer binnen einer Frist gefunden werden muss, genauso wie Mordfälle, bei denen der Täter zu entlarven ist. Dass die Kriminalstücke authentisch bleiben, dafür sorgen Experten. „Zu unserem Team gehören mehrere echte Kriminalkommissare, die uns nicht nur beraten, sondern auch selbst mitspielen und am Ort den Ablauf des Geschehens steuern“, erzählt Hain. „Wir haben festgestellt, dass ausgebildete Schauspieler zwar überzeugend agieren können, jedoch nicht immer zwingend die besten Animateure und Koordinatoren sind.“

Ebenso wichtig wie die Klärung des Mordfalls ist darüber hinaus der Spaß am Spiel mit Identitäten und Rollen. Beim November-Fall im Kempinski beispielsweise schlüpft jeder Teilnehmer in die Rolle eines ehemaligen Schülers und Absolventen des fiktiven Elite-Internats Gut Lerchenfeld, einem nicht nur für seine renommierten Absolventen, sondern auch für seine langjährige Theater-Tradition bekannten Haus. Anlässlich der dortigen Festlichkeiten ist das 25-jährige Bestehen des Internats, dessen Gründer Adrian Graf van der Velde erst kürzlich und sehr überraschend das Zeitliche segnete.

Trotz des Verlustes möchte seine Witwe nun die Jubiläumsfeier ganz in der Tradition des Hauses und im Sinne ihres verstorbenen Mannes veranstalten: mit einem rauschenden Fest und kleinen Theatervorführungen der ehemaligen Schüler. Für die bis zu 40 Teilnehmer gilt es dann, während des gesamten Wochenendes ihre vorab selbst erdachten Rollen von Anfang bis Ende durchzuspielen. Ein Austausch über Privates oder gar die Veranstaltung selbst ist verpönt.

Die Kosten für eine solche Veranstaltung sind mit Preisen pro Person von über 400 Euro für anderthalb Tage nicht ganz billig, dafür gibt es aber nicht nur die Teilnahme an der Veranstaltung, sondern auch die Übernachtung im Hotel sowie ein viergängiges Candle-Light-Dinner und Frühstücksbuffet. Und natürlich das gute Gefühl, einen Mörder am Ende dingfest gemacht zu haben.

Mehr Infos im Internet unter

www.criminal-weekend.de

www.kempinski-berlin.de

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