Berlin : Der MoMAde

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad hat ein neues Wort gelernt

Noch vor kurzem wäre das eine denkbare Frage bei „Wer wird Millionär“ gewesen: Was genau bedeutet das Wörtchen MoMA? a) Es handelt sich um eine auf den FidschiInseln übliche Variante des Kosenamens Mama, b) Es ist die in New-Age-Kreisen übliche Abkürzung für Mother of Mantra, c) So heißt die Fortsetzung des bekannten Kinderbuches „Momo“ mit neuer Heldin, d) Es handelt sich um … Ja, um was denn nun genau? Aber das ist eine Frage, die man eigentlich nicht mehr stellen darf, ohne sich fürchterlich zu blamieren und als gänzlich bildungsfernen Menschen zu outen. Denn die Werbekampagne für die neue Jahrhundertschau in der Neuen Nationalgalerie hat es wirklich geschafft, dass eine ganz neue saisonale Spezies in der an seltsamen Lebewesen nicht eben armen Metropole Berlin geschaffen wurde: der MoMAde. Der würde nie in Zelten leben, nennt aber ansonsten die ganze Welt sein Zuhause, war schon überall und besonders im MoMa. Er hat einst im Museumsshop des New Yorker Hauses eine Film-Postkarte („The Searchers“!) erworben, schwärmt noch von dem Formel-1-Boliden, der dort zu den Kunstobjekten gehörte – und auf Fragen, wer denn nun der so berühmte MoMA sei, antwortet er entweder gar nicht oder mit leicht indigniertem Runzeln der Stirn. Ansonsten ist er der Neuen Nationalgalerie von ganzem Herzen dankbar. Vorübergehend bot sie ihm die Möglichkeit, unter Nicht-MoMAden mit seiner Weltläufigkeit zu prunken. Sein Pech, dass es die nun kaum noch gibt.

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