Berlin : Der Müll bedroht die „Motz“

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Der Verein „Motz“, der die gleichnamige Obdachlosenzeitung herausgibt, steht nach eigenen Angaben vor dem Aus. Schuld ist eine Rechnung für die Müllentsorgung. Motz-Geschäftsführer Wolfgang Terner übergab gestern im Büro von Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS) einen Offenen Brief an die Berliner Stadtreinigung (BSR).

Das Projekt, das sich ausschließlich vom Verkauf der gleichnamigen Zeitung und durch private Spenden finanziert, schuldet der BSR einen Betrag von 3364,6 Euro. Diesen Betrag kann der Verein nach eigenen Angaben nicht begleichen. BRS-Sprecherin Sabine Tümler: „Es gibt ein rechtskräftiges Urteil. Die Motz-Leute müssen auf uns zukommen und nicht umgekehrt. Dann kann man ja über verschiedene Modelle der Abzahlung reden.“ Auch eine Ratenzahlung wäre möglich, aber: „Bezahlt werden muss.“

Bis November 1997 residierte die Motz in der Kleinen Hamburger Strasse in Mitte und zahlte dort für die Leerung eines Müllcontainers. Dann übersiedelte man in die Tieckstraße und meldete die Müllentleerung telefonisch um – doch nicht schriftlich. Für die BSR lief daher der Vertrag für die Kleine Hamburger Straße weiter. Nach den Angaben des Anwalts der Motz wurde 29 Monate lang doppelt kassiert. Erst im Frühjahr 2000 flatterte eine Rechnung ins Haus. Man klagte und verlor vor dem Amtsgericht: Die Motz muss die Rechnung begleichen und trägt die Kosten des Verfahrens.

Motz-Geschäftsführer Terner will aber nicht zahlen. Er fordert von der BSR, auf das Geld zu verzichten: „Zwei Jahre lang kam weder eine Rechnung, noch eine Mahnung, noch sonstwas. Es kann nicht sein, dass man für eine nicht erfolgte Leistung bezahlen soll.“ Terner will bis zum Äußersten gehen: „Dann sollen sie uns eben pfänden.“ Der Verein wurde 1995 gegründet und gibt seitdem die Obdachlosenzeitung heraus, betreibt ein Wohnprojekt mit 18 Betten für Obdachlose und einen Entrümpelungsdienst.

Gregor Gysi, derzeit im Urlaub, werde in dem Konflikt eine „moderierende Rolle“ einnehmen, sagte eine Sprecherin. Und sie will „Signale aus der BSR“ empfangen haben, daß vorläufig keine Pfändung stattfinden soll. ks

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