Berlin : Der Multimillionär und die Kulturgüterhalle

Friedrich Christian Flick wird regelmäßig auf Events in New York, St. Moritz, Gstaad gesehen – und demnächst vielleicht auch öfter in Berlin

Thomas Loy

Bisweilen wird er im „Dracula-Klub“ in St. Moritz beim Après-Ski beobachtet – von der „Bunten“. Bisweilen ist er in New York, Gstaad oder London zu sehen. Dort hat er eine feste Bleibe. Bisweilen kommt er auch nach Berlin, wenn’s was Schönes zu feiern gibt. Friedrich Christian Flick, genannt „Mick“, hat in seinem Leben schon einiges geleistet – als Frauenschwarm, Bohémien, Partylöwe und Spekulant. Nun wird er also Museumsstifter – und zwar in Berlin.

Nach langwierigen, geheimen Verhandlungen mit der Kulturstaatsministerin Christina Weiss, mit dem Berliner Senat, mit Klaus-Dieter Lehmann, Chef der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, kommt Flicks wertvolle Sammlung moderner Kunst nach Berlin. Der Deal ist perfekt – nur eben noch geheim. Morgen wollen alle Beteiligten vor die Presse treten, auch der Mäzen selbst. Nur soviel weiß man: Mehr als 2000 Werke der „Flick Collection“ sollen kommen, ab 2004 zunächst für sieben Jahre als Leihgabe.

Ort der Sammlung wird die Lagerhalle der Spedition Rieck gleich neben dem Museum Hamburger Bahnhof sein. Die Spedition war im vergangenen Jahr ausgezogen – seitdem wird die Halle für Events und Kunst-Ausstellungen genutzt. Der 250 Meter lange Backsteinbau mit zwei Außenrampen sei für Installationen und Konzept-Kunst ideal, sagt Joachim Jäger vom Museum Hamburger Bahnhof. Das Gebäude befindet sich in einem guten Zustand. Geld müsste vor allem in die Technik investiert werden – dafür will Flick angeblich aufkommen. Zu verdanken haben die Berliner den unerwarteten Kunst-Zuwachs der Stadt Zürich. Dort wollte Flick ursprünglich sein Museum gründen. Das Projekt wurde aber wegen der fragwürdigen Herkunft des Flick-Vermögens im Dritten Reich fallen gelassen (siehe auch Kulturteil). In Berlin stieß Flick dagegen auf fast einhellige Zustimmung – mal abgesehen von Alice Ströver. Die grüne Kulturexpertin empfindet die Verhandlungsführung hinter geschlossenen Türen als „skandalös“. Flick wolle mit der Ausstellung ihren Namen rehabilitieren. Dieser Hintergrund müsse zumindest thematisiert werden.

Friedrich Christian Flick wurde 1944 geboren, hat also die Gnade der späten Geburt. In den 60er Jahren erhielt er 12 Prozent der Flick-Konzern-Anteile und managte ein bisschen mit. 1975 überwarf er sich mit seinem Onkel Friedrich Karl (das ist der mit dem Spendenskandal Anfang der 80er Jahre) und zog sich in die Schweiz zurück. Sein geschätztes Vermögen: Rund 500 Millionen Euro. Damit kommt er im Wettberwerb der reichsten Deutschen nicht mal unter die ersten 100. Das Geld ist dem Flick-Erben auch nicht mehr so wichtig. Mitte der 90er Jahre streifte ihn die Muse. Auslöser soll ein Plakat mit einem Motiv von Gerhard Richter gewesen sein: „Kleiner Akt“. Er nahm Kontakt mit dem Schweizer Galeristen Iwan Wirth auf, um mehr über das Bild zu erfahren. „Es war die nackte Frau, die ihn interessierte“, sagte Wirth später einem Magazin.

Flick kaufte das Original und war fortan der Sammelleidenschaft verfallen. Wie besessen kaufte er Werke von Twombly, Kippenberger oder seinem Lieblingskünstler Bruce Nauman. Bei Wirth wurde er bald „Großkunde“. Die Beschäftigung mit Kunst sei ihm inzwischen eine der Grundlagen seines Seins geworden, sagt Flick. Dreiviertel seiner Zeit verbringe er mit der Lektüre von Katalogen, Kunstliteratur und Ausstellungsbesuchen. Zweimal im Monat nach New York jetten, in Edeldiskos herumhängen, Models und Gräfinnen abschleppen, das ganze Playboy-Leben sei ihm einfach zu anstrengend geworden.

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