Berlin : Der Museumsmagnet

Vor einem Jahr eröffnete die Liebermann-Villa Über 100 000 Besucher kamen zum Großen Wannsee

Christian van Lessen

Vom Teepavillon ist der Blick auf den Großen Wannsee, der wie eine Folie glänzt, berauschend. Er könnte perfekt, traumhaft sein, wenn nicht ein hoher Bretterzaun die Sicht nach links nähme.

Aber die Villa und das gesamte Grundstück des legendären jüdischen Malers Max Liebermann sind ohnehin eine Augenweide. Museumsleiter Martin Faass spricht vom „Gesamtkunstwerk aus Malerei, Architektur und Gartenkunst“. Es ist fast so, wie es war, als Liebermann, Berliner Ehrenbürger und bis 1933 Präsident der Akademie der Künste, hier 1934 seinen letzten Sommer verbrachte. Ein Jahr später starb er, von den Nazis verfemt.

Vor einem Jahr wurden Haus und historische Gartenanlage – über Jahrzehnte von Tauchsportlern zweckentfremdet, mit Hilfe von Sponsoren und der Gartendenkmalpflege für drei Millionen Euro hergerichtet – von der Max-Liebermann-Gesellschaft als Museum eröffnet.

Sie rechnete mit 60 000 Besuchern im Jahreszeitraum, es kamen über 100 000, wie Rolf Budde, der Vorsitzende der Gesellschaft, stolz sagt. Und er betont, dass es keine Zuschüsse gibt, die Gesellschaft schon über 1000 Mitglieder hat und 120 ehrenamtliche Helfer den Museumsbetrieb am Laufen halten. Er zeigt mit leichtem Schauder gern alte Fotos, wie Haus und Garten noch vor zehn, zwanzig Jahren aussahen – eben wie eine Wassersportanlage, nicht aber wie das heutige Prachtstück in der Museenlandschaft. Die Wannsee-Halbinsel ist schon als „Museumsinsel des Westens“ im Gespräch.

Und wenn ab Sonntag bis zum 2. Juli die Ausstellung „Max-Liebermann – Die Blumenterrasse“ beginnt, mit den schönsten Gemälden und Pastellen, die der Künstler von seiner Blumenterrasse gemalt hat, wird wieder viel Andrang erwartet. Die Terrasse mit ihren Wegen und Blumenbeeten inspirierte den Maler besonders, insgesamt entstanden in seinem großen Garten über 200 Ölgemälde.

Die Liebermann-Villa, die mit dem Brücke-Museum und dem Haus am Waldsee als „die Drei im Südwesten“ für internationale Kunst in Berlin wirbt, ist auch für den Tourismus eine wichtige Adresse geworden. Das Haus der Wannseekonferenz liegt in der Nähe, und oft wird es wegen des Besucherandrangs eng in der Colomierstraße und in der Straße am Großen Wannsee.

Die Gesellschaft hofft, dass der Bezirk einen „Busparkplatz“ zulässt. Gemeint ist, dass Platz am Straßenrand für Busse reserviert wird oder der Stellplatz eines ehemaligen Schwesternheims gegenüber genutzt werden kann.

Mit 7000 Quadratmetern ist der Garten der Villa größer als der künftige Landesanteil am Berliner Schloss. Der historische Garten könnte sogar 800 Quadratmeter größer sein. Aber ein Bootsklub hat die Fläche bis 2016 gepachtet. Vielleicht, hofft die Gesellschaft, könnte der Bezirk ein Ersatzgrundstück anbieten.

Dann wäre bald auch der Blick vom Teepavillon nach links auf den Wannsee nicht mehr mit einer Bretterwand versperrt.

Liebermann-Villa am Wannsee, Colomierstraße 3, 10-18 Uhr, Do. bis 20 Uhr, dienstags geschlossen, 6 Euro, erm. 4 Euro

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