Berlin : Der mutmaßliche Mörder des Blumenhändlers schweigt

Nicole Diekmann

Mehr als zweieinhalb Jahre ist es her. Trotzdem zitterte Claudia J.s Stimme, als sie gestern in ihrer Aussage vor dem Kriminalgericht Moabit zu der Stelle kam, als sie damals den stechenden Schmerz im Unterleib verspürte. Den Schuss, der sie zuvor an der Hüfte getroffen hatte, hatte sie nicht gehört. An das Gesicht des Schützen kann sie sich nicht erinnern. Um sich zu vergewissern, blickte sie noch einmal zur Angeklagtenbank – und schüttelte dann den Kopf.

Dort sitzt seit gestern der 42-jährige Petar B. Dem Bulgaren werden versuchter Mord und Mord vorgeworfen. Er soll Claudia J. am 7. April 2003 auf der Lichtenberger Bernhard-Bästlein–Straße angeschossen und anschließend einen Rentner getötet haben.

Claudia J. (52) arbeitet in einem Blumengroßmarkt, dessen Tageseinnahmen, etwa 45 000 Euro, sie am 7. April 2003 zur Sparkasse bringen wollte. Normalerweise sei sie bei derart hohen Beträgen immer in männlicher Begleitung, schließlich sei sie schon einmal überfallen worden, sagte Claudia J. Zufällig war es an diesem Montagvormittag im April vor zwei Jahren anders.

Auf dem Weg zur Bank traf sie den Blumenhändler Kurt H. Die beiden plauschten, währenddessen näherte sich ein Mann. Ohne Vorwarnung schoss er auf Claudia J. und schlug mit der Waffe auf sie ein. Kurt H. ging dazwischen – und bezahlte seinen Mut mit dem Leben: Auch auf ihn feuerte der Täter einen Schuss ab. Der 66-jährige H. starb noch am Tatort. Der Täter flüchtete mit dem Geldkoffer in ein um die Ecke wartendes Auto. Dessen Fahrer, Halil H., wurde kurz darauf zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt. Petar B. wurde im August 2004 an der italienischen Grenze festgenommen und sitzt seitdem mit Unterbrechung in U-Haft. Gestern wollte er nicht aussagen. Am Dienstag wird der Prozess fortgesetzt.

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