Berlin : Der nächste Hammer für Boateng

Der Prozess gegen ihn und Ebert um abgetretene Autospiegel soll am 14. Juni stattfinden – während der Fußball-WM

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2010 ist kein gutes Jahr für Kevin-Prince Boateng. Erst zieht sich der ghanaische Fußballprofi mit Weddinger Ursprung wegen eines Trittes gegen Michael Ballack den Zorn der Fußballnation zu, jetzt könnte ihm die Berliner Justiz mit einer denkbar unpassenden Vorladung zu Leibe rücken. Der früher bei Hertha BSC angestellte Boateng muss möglicherweise am 14. Juni gemeinsam mit seinem früheren Berliner Klubkollegen Patrick Ebert vor dem Amtsgericht Tiergarten erscheinen. Diesen Termin strebt jedenfalls die zuständige Richterin des Amtsgerichts Tiergarten an, und er fügt sich nicht so recht in Boatengs persönliche Planung. Einen Tag vor dem geplanten Prozessbeginn will er mit Ghana sein erstes Spiel bei der Weltmeisterschaft in Südafrika bestreiten. Gegner ist am 13. Juni in Pretoria die Mannschaft Serbiens. Am 23. Juni ist Ghana in Johannesburg letzter Vorrundengegner der deutschen Mannschaft.

Hintergrund des Gerichtsverfahrens ist ein Vorfall aus dem vergangenen Jahr. In der Nacht vom 12. zum 13. März 2009 hatten die beiden Fußballprofis in einer Wilmersdorfer Gaststätte Eberts Geburtstag gefeiert. Sie machten sich zu Fuß auf den Heimweg, bis eine Polizeistreife die beiden festhielt. Zeugen wollen die beiden dabei beobachtet haben, wie sie bei mehreren Autos die Außenspiegel abtraten. Obwohl Boateng und Ebert den Vorwurf der Sachbeschädigung bestritten, verhängte das Amtsgericht nach Abschluss der Ermittlungen Strafbefehle über 50 000 (Ebert) und 56 000 Euro (Boateng). Diese Strafbefehle wollten die beiden Fußballspieler nicht akzeptieren, so dass es jetzt zu einer Gerichtsverhandlung kommt.

Ob Boateng tatsächlich persönlich vor dem Amtsgericht erscheinen muss, ist noch offen. Laut Justizkreisen ist auch die Verlesung einer Erklärung denkbar, die Entscheidung darüber liegt bei der zuständigen Richterin. „Ursprünglich wurden die Verfahren gegen Ebert und Boateng von zwei verschiedenen Richtern bearbeitet“, sagte der stellvertretende Gerichtssprecher Robert Bäuml dem Tagesspiegel. „Die für Ebert zuständige Richterin beabsichtigt, dieses Verfahren mit dem gegen Boateng zusammenzulegen.“ Dies ist bei so einer Sachlage üblich.

Der 23 Jahre alt Kevin-Prince Boateng wurde in Berlin als Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers geboren. Er spielte bis 2007 bei Hertha BSC und wechselte dann nach England, wo er zunächst bei Tottenham Hotspur spielte. Zurzeit steht er beim FC Portsmouth unter Vertrag. Der frühere Jugend-Nationalspieler hatte sich lange Zeit Hoffnungen auf eine Nominierung für das deutsche WM-Aufgebot gemacht. Weil er sich vom Bundestrainer nicht ausreichend gewürdigt fühlte, beantragte er die ghanaische Staatsbürgerschaft. In die Schlagzeilen geriet Boateng, als er am vergangenen Samstag im englischen Pokalfinale den deutschen Kapitän Michael Ballack so schwer foulte, dass dieser für die WM ausfällt. Ballack unterstellte Boateng Absicht, was dieser allerdings zurückweist. Dem Foul vorausgegangen war eine Ohrfeige Ballacks, die Boateng offensichtlich als Provokation auffasste.

Unter den deutschen Fußballfans erlangte der für seine Hitzköpfigkeit bekannte Boateng schnell den Status einen Staatsfeindes. Im Internet hatte die Facebook-Gruppe „82 000 000 gegen Boateng“ nach wenigen Tagen schon mehr als 100 000 Mitglieder.

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