Berlin : Der Nager nervt

Der Biber breitet sich aus – und wird zum Problem für Bauern und Waldbesitzer. Die fordern, dass man dem Tier auf den Pelz rückt.

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Angeknabbert. Biber gehen gern zur Sache und fällen auch Bäume. Foto: dpa/Boris Roessler
Angeknabbert. Biber gehen gern zur Sache und fällen auch Bäume. Foto: dpa/Boris RoesslerFoto: picture alliance / dpa

In Brandenburg breitet sich der Biber rasant aus. Das streng geschützte, einst ausgestorbene Nagetier hat sich so rasant vermehrt, dass in der Mark inzwischen wieder mindestens 2700 Biber heimisch sind, vor allem entlang von Oder, Elbe, Havel und Spree. Das bringt zunehmend Konflikte, aktuell besonders im Oderbruch. Denn von Bibern angerichtete Schäden an Bäumen, Äckern und Deichen nehmen zu, was dort den Ärger hochkochen lässt. Auf einer Expertenanhörung im Umweltausschuss des Landtages wurde am Donnerstag auf Antrag der FDP erörtert, wie Brandenburg künftig mit dem weiteren Biber-Boom umgehen will. Es gab Rufe nach einem landesweiten Management ähnlich wie bei Wölfen, nach „Tabuzonen“ für Biber und nach Entschädigungszahlungen für Betroffene. Den Abschuss von Bibern verlangen die FDP und der Bauernbund, der Familienbetriebe vertritt. Er forderte den Einsatz „professioneller Biberjäger“.

Der Biber fühlt sich offenkundig wohl in der Mark, einem der gewässerreichsten Bundesländer. Denn hier findet er genügend Räume, um sich auszutoben. Und dabei ist der Biber – wovon Naturschützer schwärmen – neben dem Menschen das einzige Lebewesen, das sich seinen eigenen Lebensraum selbst gestalten kann. Er baut künstliche Dämme, schafft sich eigene Überflutungsflächen, setzt aber so schon einmal mehrere Fußballfelder große Acker- und und Waldflächen unter Wasser, gräbt sich in Deiche oder Fahrbahnböschungen.

„Der Biber hat keine Akzeptanz mehr“, bilanzierte Bibermanagerin Antje Retz vom Gewässer- und Deichverband Oderbruch in der Anhörung. Allein in diesem Gebiet ist nach ihren Worten die Zahl der Biber-Reviere von 18 im Jahr 1992 auf 210 Reviere im Jahr 2012 mit 750 Tieren gestiegen. Landesweit waren es um die Jahrtausendwende rund 1700 Tiere, heute sind es 2700 Nager. Parallel dazu stiegen die Schäden, etwa in Gehölzen: Habe man 2007 noch 17 000 Euro dafür ausgeben müssen, seien es jetzt jährlich rund 112 000 Euro, schilderte Retz. „Es besteht akuter Handlungsbedarf.“ Nötig sei ein landesweiter Managementplan. In Märkisch-Oderland, wo das Oderbruch liegt, hatten sich die Konflikte um Biber auf Oderdeichen vor einigen Jahren zugespitzt. Damals gab Landrat Gernot Schmidt (SPD) einige Biber in Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss frei, wofür sich in der Folge aber kein Jäger fand.

Die Regel ist bislang eher, dass man vor Ort, etwa in der Uckermark oder in der Prignitz, eher pragmatische Lösungen findet. So berichtete Karsten Stornowski vom uckermärkischen Wasser- und Bodenverband Welse, dass man dort „Querbauwerke“ von Bibern – in denen sie Entwässerungsgräben anstauen – beseitigt, ehe es zu Überflutungen kommen kann. Mit Ausnahmegenehmigungen der Naturschutzbehörden, sagte Stornowski. An Oderdeichen, aber auch an Straßen und Bahndämmen werde der Biber nicht geduldet. „Bei Gefahren für den Menschen werden Biber entnommen.“ Gemeint ist: Sie werden nicht geschossen, sondern gefangen. Auch für Fischer sind die Biber ein Problem. Es sei schon vorgekommen, dass ein Biber ganze Fischteiche entwässert habe, wie Lars Dettmann vom Fischereiverband des Landes sagte. „Das Problem ist, dass es in Brandenburg keinen Entschädigungsfonds gibt, anders als in Bayern.“

Im dichter besiedelten Freistaat, wo 14 000 der 20 000 Biber Deutschlands leben, stehen für Entschädigungen jährlich 450 000 Euro zur Verfügung. „Wir haben keinen Managementplan, aber wir betreiben Bibermanagement“, versicherte Horst Schwemmer, für den Naturschutzbund BUND in Bayern als Bibermanager tätig. Man nutze Elektrozäune, auch Drainagen. Wenn nötig, dürfen Biber auch dort „entnommen“ werden. Und Friedhelm Schmitz-Jersch, Chef des Naturschutzbundes Brandenburg, betonte, dass es ein großer Erfolg sei, dass diese Tierart wieder heimisch wurde. In Deiche könne man Schutzmatten einbauen, Äcker könne man wie Wälder einzäunen, sagte Schmitz-Jersch. Auch für Naturschützer sei klar, „dass Biber in Deichen und Böschungen von Verkehrstrassen nichts zu suchen haben.“

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