Berlin : Der Name stirbt zuletzt

Insolventer Tränenpalast will neuen Mietvertrag

Constance Frey

Nun wird der Schwarze Peter hin- und hergeschoben. Nachdem am Montagabend – wie in einem Teil der Auflage berichtet – der Tränenpalast Insolvenz angemeldet hat, weisen sich nun dessen Geschäftsführer Marcus Herold und die Senatsverwaltungen für Kultur und Finanzen gegenseitig die Schuld zu.

Herold nennt als Grund für die Insolvenz die Weigerung der Finanzverwaltung, seinen Mietvertrag auf mindestens fünf Jahre zu verlängern. Beim aktuellen Vertrag bis 2008 seien die Investoren mangels Planungssicherheit abgesprungen. Das Angebot, sagen Finanz- und Kulturverwaltung, habe es aber im Herbst gegeben. Herold hatte das abgelehnt, weil er das Grundstück mit der ehemaligen Grenzübergangshalle lieber kaufen wollte. „Solange wir kaufen wollen, kann ich doch nicht sagen, ich will mieten“, sagt er heute. Die Kaufverhandlungen waren dann am Preis gescheitert. Herold wirft dem Senat jetzt vor, sein Veranstaltungskonzept torpediert zu haben, man habe einfach nicht mit ihm kooperieren wollen.

Den Vorwurf weist man in der Politik ab. „Wir fühlen uns damit nicht angesprochen“, sagt Torsten Wöhlert, Sprecher der Kulturverwaltung. Sein Haus sei ständig vermittelnd tätig gewesen, auch in den Kaufverhandlungen mit der Finanzverwaltung oder mit dem Bund, der den Tränenpalast mitfinanzieren wollte. In der Finanzverwaltung sieht man den Zusammenhang zwischen den geplatzten Kaufverhandlungen und der Insolvenz nicht. Zu Herolds Vorwürfen hieß es aus dem Büro von Senator Thilo Sarrazin nur, dass es „reichlich intensive Gespräche mit den Betreibern des Tränenpalasts gegeben“ habe.

Als Käufer des Grundstücks ist jetzt noch Großinvestor Harm Müller-Spreer im Gespräch, der bereits die Grundstücke rund um den Tränenpalast besitzt. Die Verhandlungen werden vermutlich im nächsten Monat abgeschlossen sein. Herold hofft weiter auf eine Verlängerung des Mietvertrags auf fünf Jahre und wünscht sich ein politisches Zeichen. Das kommt vielleicht am Montag im Kulturausschuss. Die Zukunft des Tränenpalast steht dort auf der Tagesordnung.

Der Betrieb im Tränenpalast geht mindestens drei Monate lang weiter. Bis dahin muss Herold sein Finanzloch stopfen. Sonst steht er mit 30 Angestellten und acht Lehrlingen auf der Straße. Herold betreibt das Haus seit 15 Jahren ohne Subventionen und hat über eine Million Euro in die Sanierung des Gebäudes investiert. Er besitzt die Namensrechte am Tränenpalast. Wenn er ihn nicht weiterführen kann, will er Berlin verlassen. Den Namen nimmt er mit.

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