Berlin : Der nasse Fritz

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Von Andreas Conrad

Seine Majestät war ein gründlicher Mann, den Untertanen ließ er selbst kleinste Nachlässigkeiten nicht durchgehen. Ein Nachttopf in einer Kadettenanstalt, „der unter einem Bett hervorsah und noch die Spuren einer gewissen Unreinlichkeit trug“ – ein königliches Donnerwetter war garantiert, wie PotsdamBesucher Casanova bezeugt hat. Man male es sich also lieber nicht aus, was Friedrich der Große zu den Mängeln sagen würde, die am restaurierten Reiterbildnis Unter den Linden zutage getreten, doch angeblich völlig normal sind: Wasser im Denkmalinneren und im Sockel, was zu unansehnlichen Kalkausblühungen führte. „Hunde, wollt ihr ewig pfuschen“ – ein Donnerwort wäre noch das Geringste, was die Verantwortlichen zu befürchten hätten. Naheliegender wären Spießrutenlaufen und Festungshaft, könnte doch ein gestrenger Richter ohne weiteres auf zumindest fahrlässige Majestätsbeleidigung erkennen. Denn müssen die hässlichen Spuren einer gewissen Unreinlichkeit nicht den Eindruck erwecken, Majestät haben in die Hose gemacht? (Weiteres S. 13)

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