Berlin : Der Neonazi-Marsch durchs Brandenburger Tor soll verhindert werden

Frank Jansen

Ein Bündnis, das in seiner Vielfalt einmalig sein dürfte, ruft für Sonntag zu einer Kundgebung gegen Rassismus auf. Von Mitgliedern der CDU bis zu einem Vertreter der extrem linken "Antifaschistischen Aktion" reicht die Liste der mehreren hundert Unterzeichner, die sich in einer "Berliner Initiative: Europa gegen Rassismus" zusammengefunden haben. Das Bündnis will ab 14 Uhr mit einer Kundgebung das Brandenburger Tor der NPD streitig machen, die dort aufmarschieren will. "Es ist an der Zeit, dass die demokratischen Kräfte in dieser Stadt Flagge zeigen", sagte gestern auf einer Pressekonferenz Sibyll Klotz, Mitglied der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Die Demonstration der Rechten wurde unterdessen verboten.

Die "Antifaschistische Aktion" will indes nicht nur bei der "Berliner Initiative" mitmachen. Sie ruft, wie das "Berliner Bündnis gegen Rechts", zu einer Demonstration auf, die um 12 Uhr am Rosa-Luxemburg-Platz starten soll. Für den Abend ist in Köpenick eine Protestkundgebung linker Gruppen vor der Bundeszentrale der NPD zu erwarten.

Bei der Kundgebung der "Berliner Initiative" sollen mehrere Prominente sprechen, darunter Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der Vorsitzende des DGB-Verbandes Berlin-Brandenburg, Dieter Scholz, Andreas Nachama, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, und die Schauspielerin Angelica Domröse. Geplant ist auch der Auftritt der österreichischen Grünen-Politikerin Madeleine Petrovic, die sich zur Situation in ihrem Land äußern soll. Nach den Ansprachen ist ein Musikprogramm vorgesehen. Friedel Drautzburg, Wirt der "Ständigen Vertretung", hat die Bereitstellung von Sitzbänken sowie gastronomische Versorgung zugesagt.

Zu den Unterzeichnern des Aufrufs zur Kundgebung zählen Schulsenator Klaus Böger (SPD), Gregor Gysi, der Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber und Lea Rosh, Vorsitzende des Förderkreises für den Bau des Holocaust-Mahnmals. Von der CDU finden sich Berlins Ausländerbeauftragte Barbara John und Hanna-Renate Laurien, ehemalige Präsidentin des Abgeordnetenhauses. Ihr Parteifreund und Nachfolger im Amt, Reinhard Führer, unterstützt den Aufruf zur Kundgebung. Ansonsten hält sich die CDU zurück.

Die Bildung der "Berliner Initiative" ist eine Reaktion auf den letzten Neonazi-Marsch in Berlin. Am 29. Januar zogen 700 Rechte durch das Brandenburger Tor, dabei wurde "Ruhm und Ehre der Waffen-SS" gebrüllt. Die Provokation rief weit über Berlin hinaus Entsetzen hervor. Die Bündnisgrünen Sibyll Klotz und Wolfgang Wieland griffen dann eine Idee auf, mit der im Juni 1998 eine NPD-Demonstration durch das Brandenburger Tor verhindert worden war: Damals fand auf dem Pariser Platz eine "Lesung gegen Rechts" statt, die Neonazis wichen nach Hohenschönhausen aus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben