• Der Neubau des Zentralbahnhofes wird rekordverdächtig teuer - die veranschlagten 800 Millionen Mark reichen nicht

Berlin : Der Neubau des Zentralbahnhofes wird rekordverdächtig teuer - die veranschlagten 800 Millionen Mark reichen nicht

Der künftige Lehrter Bahnhof wird ein Bau der Rekorde: Aus der derzeit größten Baugrube Europas soll nicht nur einmal der größte Kreuzungsbahnhof des Kontinents werden, der Superbahnhof wird auch rekordverdächtig teuer. Nach Informationen des Tagesspiegels wird der "Lehrter", in dessen Bürotrakt der Bahnvorstand einziehen will, mehr als eine Milliarde Mark kosten. Veranschlagt war er bisher mit 800 Millionen Mark. Von der Bahn gab es dazu offiziell keine Stellungnahme.

Die Kosten für den Ausbau des Bahnknotens Berlin, sind ohnehin bereits "aus den Gleisen" gesprungen. Statt vier Milliarden Mark, wie ursprünglich geplant, kostet der Nord-Süd-Tunnel mit den neuen Bahnhöfen Gesundbrunnen, Lehrter Bahnhof, Potsdamer Platz und Papestraße nach den aktuellen Berechnungen inzwischen, wie berichtet, 5,1 Milliarden Mark.

Der künftige Berliner Zentralbahnhof erhält 15 Meter tief unter der Oberfläche eine achtgleisige Halle mit vier Bahnsteigen für den Nord-Süd-Verkehr. Die Ost-West-Verbindung über die 1882 eröffnete Stadtbahn wird im Bahnhofsbereich um zwei auf vier Gleise für den Fernverkehr erweitert. Hinzu kommen zwei Gleise für die S-Bahn, deren Trasse nach Süden verlegt wird. Diese sechs Gleise werden nach Plänen des Architekturbüros von Gerkan, Marg und Partner von einer 430 Meter langen Glashalle überdacht. Allein deren Bau kostet nach Angaben der Bahn AG etwa 100 Millionen Mark.

Erschlossen werden beide Trassen durch eine zentrale 50 Meter breite und 170 Meter lange Halle. Ein riesiger Schacht wird natürliches Licht bis in die untere Etage leiten. Die bis zu 200 000 erwarteten Fahrgäste täglich sollen die 24 Meter Höhendifferenz der kreuzenden Bahnstrecken mit 53 Rolltreppen und 14 Aufzügen überwinden. Über der unterirdischen Nord-Süd-Strecke erstrecken sich zwei so genannte Bügelbauten, die Büros aufnehmen sollen. Sie sind ebenfalls durch ein Glasdach miteinander verbunden.

Einsparungen an dem Bau sind kaum möglich, weil sonst das Konzept nicht umgesetzt werden kann. Auch das Glasdach für die oberirdischen Bahnsteige müsse jetzt gebaut werden, weil dies später bei laufendem Betrieb kaum noch möglich wäre, sagte Gerty Lücke von der DB Projekt Knoten Berlin,. Derzeit prüft die Bahn aber, ob die Halle verkürzt werden kann.

Um die Kosten für das Gesamtprojekt wieder in den Griff zu bekommen, gibt es bei der Bahn stattdessen Überlegungen, auf den Bau des neuen Bahnhofes Papestraße zu verzichten, der als südlicher Schnittpunkt mit der Ringbahn vorgesehen ist. Die mit 2500 Stellplätzen als "Autofahrerbahnhof" konzipierte Anlage soll 640 Millionen Mark kosten.

Allerdings drängt der Senat darauf, wenigstens die vorgesehenen Bahnsteige zu bauen. Auf den südlichen Umsteigeknoten könne man nicht verzichten. Mit dem Bau ist noch nicht begonnen worden, weil es lange Querelen um die Ausführung gab. Zum Schluss ließ die Bahn AG die ursprünglichen Pläne überarbeiten.

Noch lieber hätte die Bahn auf den Bahnhof Gesundbrunnen verzichtet, der inzwischen jedoch Konturen annimmt. Ursprünglich sah die Bahn hier keinen Halt für die langen ICE-ZÜge vor; erst nach Interventionen des Senats erklärte sie sich bereit, doch zwei 430 Meter lange Bahnsteige zu bauen. Nach Ansicht der Bahn entsteht mit dem Bahnhof im Norden eine "hoch unrentable" Anlage, weil er keine Vermarktungsmöglichkeiten biete. Neben dem benachbarten Gesundbrunnen-Center habe man keine Chance mehr, Laden- und Büroflächen anzubieten, sagt Bahnvorstand Martin Lepper. Der Bahnhof soll 2004 fertig sein. Durch den Nord-Süd-Tunnel sollen die Züge frühestens 2005 rollen - falls das Geld nicht vorher ausgeht.

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