Berlin : Der neue heißt wie der alte Mann: Wellmann

Wahlkreisvertreter der Südwest-CDU wählten ihren Bundestagskandidaten. Ex-Senator Braun drehen viele den Rücken zu.

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Er hat es geschafft, sogar mit einer komfortablen Mehrheit: Karl-Georg Wellmann wird für die CDU-Steglitz-Zehlendorf bei der Wahl zum Bundestag antreten. Am Freitagabend gewann der Amtsinhaber mit 50 gegen 40 Stimmen die Mehrheit der Wahlkreisvertreterversammlung. Seine Gegenkandidatin Edeltraut Töpfer forderte die Delegierten nach der Wahl zur Geschlossenheit auf.

Damit war es nicht weit her im stärksten Kreisverband der Berliner CDU. Vor Wochen erst hatte sich dort gezeigt, wie Politikerfreundschaften enden: Dadurch, dass einer das Amt des anderen will. Michael Braun, bis zum Sommer mit Wellmann gut befreundet, wollte Wellmann das Amt streitig machen. Das brachte die Südwest-CDU derart in Unruhe, dass Braun zurückzog. Statt seiner war dann Edeltraut Töpfer angetreten, langjährige Vorsitzende der Berliner Frauen-Union.

Warum und weshalb Wellmann abgelöst werden sollte? Das ging wohl auf Brauns Scheitern als Senator zurück. Nach gerade zwei Wochen als Senator für Justiz und Verbraucherschutz hatte Braun im Dezember 2011 seinen Rücktritt erklärt.

Der Politiker, im Hauptberuf Anwalt und Notar, war mitVerkäufen von Schrottimmobilien in Verbindung gebracht worden. Zwar waren ihm keine rechtlichen Verfehlung nachzuweisen, doch hatte Braun alles Vertrauen als Verbraucherschützer vertan. Als der (zuständige) Landgerichtspräsident ihn nach Prüfung aller Fälle juristisch rehabilitiert hatte, fasste Braun offenbar den Entschluss, seine Politikerkarriere auf der Bundesebene weiter zu betreiben.

Der ehrgeizige, in der CDU angesehene, doch nicht beliebte Politiker, Kreischef der Südwest-CDU, war offenbar überzeugt davon, ihm stehe eine Kompensation für das verlorene Senatsamt zu.

Die Vorphase der Nominierung, die Vorstellung der Kandidaten in den Ortsverbänden, war begleitet von allerlei übler Nachrede. Am Freitagabend waren davon noch Restbestände zu spüren – in der Rhetorik vonWellmanns Herausforderin, die sich als „Konsenskandidatin“ vorstellte, was aus Wellmann einen Dissenskandidaten machte – und zu hören war das auch in der Debatte über die beiden Kandidaten. Dass sich Wellmann durchsetzte, dürfte damit zu tun haben, dass die Mehrheit nicht einsah, warum man jemanden auswechseln sollte, der zweimal denWahlkreis gewonnen hatte.

Der Streit wird auch nach diesem Freitag weitergehen. Norbert Kopp, Bezirksbürgermeister und Verbündeter Wellmanns, sagte, es sei „völlig klar, dass Michael Braun als Kreisvorsitzender nicht zu halten ist“. Braun habe den Kreisverband gespalten, er habe keine Mehrheit mehr. Jetzt müsse man zur Geschlossenheit zurückfinden – ohne Braun.

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