Berlin : Der nützliche Monsterfisch

Die Weltmeere im Kleinen: Kuriose Geschichten aus dem Zoo-Aquarium

Andreas Conrad

Der größte Süßwasserfisch der Erde? Das ist der südamerikanische Arapaima, mit einer Maximallänge von vier Metern. Dagegen hatte das Exemplar, das die Bundesforschungsanstalt für Fischerei in Ahrensburg noch zu Mauerzeiten dem Berliner Zoo-Aquarium vermachte, nur bescheidene Ausmaße: 1,20 Meter lang, 18 Kilo schwer – immerhin. Für den Transport hatte sich der damalige Aquariums- und spätere Zoochef Jürgen Lange für einen VW-Bus entschieden, der schon beim Transport zweier Komodowarane über die Transitstrecke gute Dienste geleistet hatte. Alle Papiere waren in Ordnung, der Fisch schien sich in seiner Badewanne wohlzufühlen, nur ein DDR-Grenzer machte bei der Einreise Probleme, bestand auf Besichtigung des Laderaums. Doch gerade wollte er ins Fahrzeug klettern, da reckte der Monsterfisch neugierig seinen Kopf aus der Wanne. Schneller hat wohl nie wieder ein Grenzer ein kontrolliertes Auto verlassen, von nun an hieß es nur noch: „Weiterfahren, weiterfahren!“

„Aquarium Berlin“, so heißt schlicht ein kleiner Band des Berliner Rundfunkjournalisten Goetz Kronburger, der darin „Die schönsten Geschichten“ aus dem traditionsreichen Haus an der Budapester Straße erzählen will – ein Versprechen, das er sehr unterhaltsam einhält. Natürlich schlägt er auch den großen historischen Bogen, von dem noch durch Alfred Brehm 1869 Unter den Linden eröffneten und 1910 geschlossenen ersten Aquarium Berlins über die Eröffnung des von Oskar Heinroth aufgebauten Zoo-Aquariums, dessen Aufblühen in der Weimarer Zeit, die Zerstörung im Kriege, den Wiederaufbau und die Renovierung in den frühen achtziger Jahren. Aber das Spannende und oft Erheiternde sind doch die vielen Nebengeschichten und Anekdoten. Manche sind noch immer vielen bekannt wie etwa die von Swampy, dem im US-Militärdienst stehenden Alligator aus den Everglades, der nach seiner Zeit als Maskottchen eines US-Infanterie-Regiments im Aquarium seine Veteranenzeit verdösen durfte. Andere wie die von der Riesenpython, die ihre Beute nicht aufgeben wollte und prompt von einer noch größeren mitverschlungen wurde, kennt nur einer wie Kronburger, offensichtlich ein langjähriger Freund des Hauses, über das er so farbig zu erzählen weiß. So ist es umso mehr zu bedauern, dass die Abbildungen in dem Büchlein nur schwarzweiß sind.

— Goetz Kronburger: Aquarium Berlin. Die schönsten Geschichten. Berlin Edition im be. bra Verlag.

125 Seiten mit ca. 128 schwarzweißen Abbildungen, 9,80 Euro.

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