Berlin : Der Oberbürgermeister und die Pandabärin (Glosse)

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Endlich potenzieller Besuch aus der fernen Heimat! Die Pandabärendame Yan-Yan, gebürtige Chinesin mit vorübergehendem Wohnsitz im Berliner Bezirk Tiergarten, hätte sich zweifellos gefreut, einmal nicht nur verklärt dreinblickende Frischverliebte und lärmende Kinder mit Eistüten am Zaun ihres Geheges begrüßen zu dürfen. Denn Pekings Oberbürgermeister Liu Qi ist seit Sonntag in der Stadt, um die Partnerschaft zwischen der chinesischen Metropole und der deutschen Hauptstadt zu vertiefen. Da wäre es naheliegend, der schönen Chinesin einen Besuch abzustatten. Zumal die demnächst in ihre Heimat zurückfliegen muss, ohne allerdings die Berliner Zoobesucher mit einem Pandababy beglückt zu haben. Und das war der eigentliche Zweck ihres Europa-Intermezzos.

Doch der Terminplan sieht keinen Besuch im Zoologischen Garten vor. Denn Bürgermeister Liu Qi ist ein technikbegeisterter Mann. Panda-Bären kennt er ohnehin zur Genüge aus seiner Heimat - so sieht es zumindest Senatssprecher Michael-Andreas Butz. Darum besucht Herr Qi zwar nicht Frau Yan-Yan, lässt sich dafür aber das Klärwerk Ruhleben und das begrünte Dach einer Bank erklären. Sein Amtskollege Eberhard Diepgen will den Technik-Interessierten trotzdem mit der pelzigen Zeitgenossin konfrontieren - in einem Gespräch. Gestern hat er sich noch nicht so recht getraut.

Doch vielleicht, so hofft man im Roten Rathaus, klappt es ja mit ein wenig mehr Geduld doch noch mit dem sehnlichst erwarteten Nachwuchs. Und dafür, dass Yan-Yans Aufenthaltserlaubnis in Deutschland verlängert wird, könnte Bürgermeister Qi sich zuhause schon mal beim Landwirtschaftsministerium einsetzen. Das ist nämlich im fernen China für Panda-Belange zuständig. Und eine Delegation desselben wird ebenfalls bald in Berlin erwartet.

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