Berlin : Der Panda-Trick mit Yan Yan hat nicht funktioniert

Auch diesjähriger Versuch einer künstlichen Befruchtung erfolglos

Andreas Conrad

Eine Sexbombe stellt man sich wahrlich anders vor, selbst unter Panda-Damen. Lethargisch liegt Yan Yan an diesem Nachmittag in ihrem schattigen Gehege, alle Viere von sich gestreckt, nur ihr rechter Fuß kratzt gelegentlich am Gitter. Bao Bao döst vermutlich auch, doch weitab im alten Tigergehege, was aber nichts macht. Das Interesse der beiden aneinander blieb immer sehr begrenzt, was durchaus üblich ist. Pandas sind Einzelgänger und finden nur in der knapp bemessenen Fortpflanzungszeit zueinander.

Weitaus munterer als das Bärenweibchen sind die Zoobesucher, die an ihr vorbeischlendern, stehen bleiben, die Informationstafeln studieren und kommentieren. Der typische Verdauungstrakt eines Fleischfressers und doch Vegetarier? Is ja’n Ding. Und in einer junger Frau dämmert im Angesicht der Bärin eine Erinnerung hoch: „Ich meine, die hätten doch mal Nachwuchs gehabt.“ Yan Yan? Nachwuchs? Unmöglich.

Jedenfalls in diesem Jahr, wie in den vorigen. Vielleicht klappt’s im nächsten Frühling, man soll ja die Hoffung nie aufgeben. Diesmal aber war wieder nichts, seit gestern ist der diesjährige Besamungsflop amtlich. Tag für Tag haben die Zoologen den Kot der Pandafrau nach dem Hormon Progesteron durchforscht, das als untrügliches Anzeichen einer Trächtigkeit gilt – vergebens. Sie haben Urin- und Blutproben genommen, mit Ultraschall sondiert – alles nur mit demselben desolaten Ergebnis.

Und dabei hatte es sich so gut angelassen, wie Andreas Ochs, leitender Tierarzt des Zoologischen Gartens, sich an den zurückliegenden April erinnert. In den Vorjahren war immer nur ein Versuch möglich gewesen, der zudem unter Narkose erfolgte. Diesmal nun hatte man Yan Yan einen Trick antrainiert, der im Abstand von jeweils zwei Tagen insgesamt vier Versuche möglich machte – ohne Narkose. Yan Yan wurde dazu gebracht, sich rückwärts ans Gitter zu stellen, in günstiger Position für die mit Tubus, Sonde und Bao Baos Sperma hantierenden Zoologen.

An dem sei nichts auszusetzen, wenngleich der Bärenmann mit seinen 25 Jahren schon recht betagt sei, berichtet Ochs. Yan Yan ist drei Jahre jünger, bei guter Gesundheit, zeige sogar, anders als nach ihrer Ankunft 1995, Brunstsymptome, wenngleich nicht so intensiv, wie von den Artgenossinnen in Chinas Bambuswäldern berichtet wird. Vier Versuche hat er noch, einen pro Jahr, dann endet nach den bisherigen Vereinbarungen mit Peking die Leihfrist für Yan Yan. Natürlich will man es wieder probieren, Ochs ist unverdrossen, muss dies auch sein. Die Bemühungen um Fortpflanzung sind Bestandteil des Leihvertrages.

Alles wird also im April 2004 wieder darauf ankommen, das Zeitfenster für die Empfängnis möglichst genau zu treffen. Die Natur hat es allzu eng angelegt. Einmal pro Jahr rund 36 Stunden – da bleibt die Arbeit der Zooleute und des sie unterstützenden Instituts für Zoo- und Wildtierforschung teilweise immer ein Vabanque-Spiel.

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