Berlin : „Der Papst soll sehr traurig sein“

Wie türkische Blätter von den Äußerungen des Papstes über den Islam berichten

Suzan Gülfirat

„Er konnte sich nicht überwinden, sich zu entschuldigen“, beschwerte sich die religiös-nationale Tageszeitung Türkiye am Sonntag auf ihrer Titelseite – auch nach dem Benedikt XIV. erklärt hatte, er bedauere zutiefst, dass einige Passagen seiner Rede wie eine Verletzung der Gefühle der muslimischen Gläubigen geklungen haben könnten, hörte die Aufregung nicht auf. „Papst soll sehr traurig sein“, schrieb die Türkiye über dem Bericht, als wollte sie das nicht glauben.

Die Tageszeitung Sabah zeigte am Sonntag auf der Titelseite eine Karikatur, worauf der Papst einen Ritterhelm trägt. Die Überschrift dazu: „Der Papst ist in schwere Nöte geraten.“ Sabah gilt nicht als religiöse Zeitung. Türkischsprachige Leser können auf der Internetseite dieser Zeitung die gesamte Rede des Papstes in einer Übersetzung nachlesen.

Die Hürriyet berichtete auch gestern relativ ausgewogen. Die Zeitung zeigte auf ihrer Titelseite den Papst und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Dazu diese Überschriften: „Vatikan: Der Papst ist traurig“ und „Erdogan: Der Papst muss sich entschuldigen.“ Auch diese Zeitung stellte die Rede ins Internet, jedoch nur die umschrittene Passage.

Die Milliyet zeigte gestern ein Foto, auf dem der Papst sich gerade Schweiß von der Stirn wischt. „Vatikan: Der Papst ist traurig“, lautete die Überschrift dazu. Im Innenteil gab das liberale Blatt ausführlich die Verlautbarungen aus Rom wieder. Hier war auch die umstrittene Passage in der Übersetzung zu lesen. Milliyet kommentierte zudem das Thema einige Male. „Der Papst hat in der islamischen Welt an Vertrauen verloren“, meinte zum Beispiel Autor Sami Kohen. Kommentator Derya Sazak ging der Frage nach, ob der Papst in die Türkei kommen sollte: „Das Religionsamt lässt keine Gelegenheit aus, um über die Toleranz des Islam zu erzählen. Jetzt sollte es den Papst mit offenen Armen empfangen und ihm die Kraft des Verstandes und der Liebe zeigen.“

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