Berlin : Der Partyhügel

In elf Tagen wird das Olympiastadion eröffnet – jetzt werden für die Stars die Bühnen aufgebaut

André Görke

Gerald Ponesky schaut hinab auf den feuchten Rasen des Berliner Olympiastadions. „Da unten! Da wird sie stehen“, sagt Ponesky und zeigt auf den Mittelkreis des Fußballplatzes. Aus den Boxen dröhnt jetzt der Song „Trouble“ von Popstar Pink, sie wird dieses Lied bei der Eröffnungsfeier des Olympiastadions singen. Und dann wird sie „da unten“ stehen, auf der Showbühne, der Bühne von Poneskys Veranstaltungsagentur.

Die Aufbauarbeiten beginnen am Montag, drei Tage später soll sie fertig sein, kurz vor der geheimen Generalprobe am 30. Juli. Die Bühne sieht ein bisschen aus wie eine umgedrehte Müslischüssel, nur viel größer. Sie ist rund, im Durchmesser 15 Meter breit und mehr als vier Meter hoch. „Wir wollten für die Eröffnungsparty keine protzige Bühne“, sagt Gerald Ponesky. „Denn an diesem Abend ist allein das Stadion der Star.“ Der Chef der Agentur Compact-Team und trägt eine dunkelblaue Retro-Trainingsjacke mit der Aufschrift „Eröffner“ auf der Brust. Nach vier Jahren Bauzeit wird das Stadion am 31. Juli mit einer Party und einen Tag später, am Sonntag, mit dem Fußballspiel zwischen Hertha BSC und Besiktas Istanbul eröffnet.

Termine, Termine, Termine. Im Olympiastadion stehen die letzten Vorbereitungen an. Vor zwei Wochen war Lichttest, gestern der Soundcheck. 19 Boxen, jede 1,5 Tonnen schwer, hängen in der Dachverkleidung und „sind einzeln ansteuerbar“. Das sagt Carsten Robert, er kümmert sich um die Lautsprecher im Olympiastadion. Was er mit einzeln ansteuerbar meint, ist Sekunden später zu hören. Robert spricht von einem „riesengroßen Dolby-Surround-System“. Aus Richtung der Gegentribüne ist leise der Lärm eines Hubschraubers zu hören, der näher kommt und über die Haupttribüne zurückzufliegen scheint. So echt klingt das, dass sogar die Bauarbeiter zum Himmel gucken. Pink und Popsängerin Nena dürften zufrieden sein mit dem Ton.

Im Mittelpunkt für die Zuschauer wird aber die Bühne auf dem Rasenplatz stehen. Gerald Ponesky holt einen kleinen Zettel hervor und zeigt die bunte Skizze, die das Berliner Architektenbüro D.A.S. entworfen hat. Die rote Halbkugel wird zwei Podeste haben. Der eine für Kommentator Johannes B. Kerner ist neun Quadratmeter, der andere für Pink und Nena 49 Quadratmeter groß. Sie werden die Bühne vom Marathontor betreten und dabei von einem Lichtkegel des Flutlichts zum Mittelpunkt begleitet. Das West Eastern Divan Orchester des Dirigenten Daniel Barenboim wird dagegen auf einer kleinen Bühne auf der Ehrentribüne sitzen und spielen. Das Stahlgerüst wird dort seit gestern genauso zusammengeschraubt wie die dritte Bühne unterhalb der Anzeigetafel, auf der die Blue-Man-Group ihre Show veranstalten wird. Mit 50000 Zuschauern rechnen die Veranstalter an diesem Abend.

Das klingt optimistisch. Doch erst seit kurzem hängen die Werbeplakate zur Eröffnungsfeier in der Stadt. Auch wegen des Wetters laufe der Vorverkauf schleppend, sagt Stadionmanager Winfrid Schwank. Doch er hat Hoffnung: „Wenn die Sonne scheint, wird das Stadion voll.“ Wenn allerdings dunkle Wolken angekündigt werden, sollten sich Nena und Pink eine Regenjacke besorgen. Sie stehen unter freiem Himmel.

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