Berlin : Der PDS-Gegner verschickte ein Schreiben und eine Diskette

Werner Schmidt

Olaf Jürgen Staps hat ein weiteres Lebenszeichen von sich gegeben. Sechs Wochen ist es her, dass die PDS-Demonstration zum Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht stattfand. Die 80 000 bis 100 000 Teilnehmer wurden von einem Aufgebot von 2000 Polizeibeamten geschützt. Die eigentlich eine Woche zuvor geplante Gedenkdemonstration war verschoben worden, nachdem der 39-jährige Staps ein Handgranatenattentat auf die Kundgebungsteilnehmer angedroht hatte. Trotz einer Belohnung von 10 000 Mark blieb er bisher verschwunden.

Jetzt hat er sich wieder gemeldet: bei der "Jungen Welt" und der Polizei. Weil die Zeitung die Post nicht freiwillig aushändigen wollte, durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft gestern die Redaktionsräume. Am Platz der Luftbrücke waren mittags mit der normalen Post ein 52 Seiten umfassendes Schreiben von Staps und eine Computerdiskette eingegangen. In dem bisher noch nicht vollständig ausgewerteten Brief mit handschriftlichen Anmerkungen verlange Staps die Zusicherung von Straffreiheit, sagte ein Beamter des ermittelnden Staatschutzes. Aus dem wirren Schreiben gehe allerdings nicht hervor, wofür - ob für die Brandstiftung in seiner Wohnung oder den angekündigten, aber nicht ausgeführten Anschlag auf die Gedenkdemonstration der PDS.

Der 39-jährige Thüringer war von der PDS enttäuscht, der er vorwarf, sich nicht ausreichend für seine sozialen Belange eingesetzt zu haben. Im September hatte er seine Wohnung in Friedrichshain angezündet und war anschließend untergetaucht. Wegen der Brandstiftung bestand ein Haftbefehl gegen ihn. Zeitweise hatte die Polizei die Fahndung nach Staps deutlich zurückgeschraubt. Die Fahnder rechneten sogar damit, dass Staps nicht mehr leben könnte. Denn seit der PDS-Demonstration am 15. Januar wurde er offenbar auch nicht mehr gesehen.

Zuvor hatten Zeugen glaubwürdig berichtet, der Gesuchte habe sich in einer Wärmestube an der Wrangelstraße in Kreuzberg aufgehalten. Er war auch am Bahnhof Zoo und in Suppenküchen in der Umgebung seiner früheren Wohnung in Friedrichshain gesehen worden.

Der derzeitige Fahndungsstand sei "nicht befriedigend", heißt es im Landeskriminalamt. Entweder sei Staps "unheimlich clever, oder er hat sich bereits aus dieser Welt verabschiedet", wurde noch vor wenigen Tagen vermutet. Polizeipsychologen glauben nicht daran, dass Olaf Jürgen Staps jetzt noch einen Anschlag verüben würde.

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