Berlin : Der Pop-Präsident

Zum Auftakt der Kennedy-Ausstellung erinnerten Wowereit und Fischer an den gefeierten Hoffnungsträger

Aliki Nassoufis

In kaum einen anderen Politiker setzten die Menschen weltweit so große Hoffnungen. Und selten hat der Tod eines Politikers die Menschen in der ganzen Welt so sehr bewegt wie der von John F. Kennedy am 22. November 1963. Anlässlich seines Berlin-Besuchs vor 40 Jahren ist nun die Ausstellung „John F. Kennedy“ im Deutschen Historischen Museum feierlich eröffnet worden.

„Welcher Politiker ist so in Bildern präsent wie John F. Kennedy?“, fragte der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit, bei der Eröffnung der Ausstellung am Mittwochabend im glasüberdachten Schlüterhof des Zeughauses. „Sonst kennt man das nur von Popstars.“ Von Kennedy könne man deswegen lernen, populär zu sein, ohne populistisch zu wirken. Kennedy habe kompromisslos die Freiheit verteidigt und dabei immer für den Frieden gekämpft. „Wir sind dankbar, dass Kennedy diese Solidarität mit Berlin gezeigt hat“, sagte Wowereit. Zu Eröffnungsfeier waren auch Außenminister Joschka Fischer und US-Botschafter Daniel Coats gekommen.

Die Ausstellung des Deutschen Historischen Museums geht dem Leben John F. Kennedys in vier Etappen nach: Aufstieg, Präsidentschaft, Tod und Trauer sowie die Populärkultur um den Mythos JFK. Im ersten Stock des im Mai eröffneten Pei-Anbaus sind auf 600 Quadratmetern neben privaten Fotos mit den Kindern Caroline und John Jr. auch Wahlkampfplakate, Kennedys Taufkleid aus dem Jahr 1915, Magazincover sowie Filmaufnahmen vom Attentat 1963 auf Kennedy zu sehen. Den Höhepunkt der Ausstellung stellen jedoch die Dokumente zu Kennedys Besuch in Berlin dar, nur fünf Monate vor seinem gewaltsamen Tod. Filmausschnitte zeigen die begeisterten Berliner auf den Straßen und während Kennedys legendärer Rede vor dem Schöneberger Rathaus.

Diese Euphorie beschrieb auch Bundesaußenminister Joschka Fischer, damals ein 15-jähriger Jugendlicher. Er hob die Bedeutung des Kennedy-Besuchs für Berlin hervor. Mit den vier Worten „Ich bin ein Berliner“ habe Kennedy gleichzeitig Freundschaft, Mitgefühl und Engagement ausgedrückt. Sein Besuch vor 40 Jahren sei zugleich Höhepunkt seiner politischen Karriere gewesen. „Kennedy war einer der größten Hoffnungsträger seiner Zeit“, sagte Fischer. Damals hätten Kriegsgefahr und Angst vor politischen Krisen das weltweite Leben beherrscht. Bis heute habe sich die weltpolitische Lage jedoch keineswegs verbessert. „Die Zeiten haben sich dramatisch verändert“, so Fischer. „Die transatlantischen Beziehungen sind deswegen wichtiger denn je“, sagte er. Dieses Bündnis habe aus diesem Grund auch heute noch Bestand – trotz Meinungsverschiedenheiten in einzelnen Fragen .

Auch der Kurator und Initiator der Ausstellung, Andreas Etges vom John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität, ging auf das deutsch-amerikanische Verhältnis ein: Er erzählte von einem Brief, den Kennedy nach seiner Berlin-Reise geschrieben haben soll. Der Brief sei heute unauffindbar. Vielleicht aber befinde er sich ja noch in dem Schreibtisch, den auch der heutige amerikanische Präsident George W. Bush benutzt, mutmaßte Etges. „Stellen wir uns nun vor, Bush findet Kennedys Brief eines Tages. Wie würde er wohl reagieren?“ In dem Brief soll Kennedy eine eindeutige Reise-Empfehlung niedergeschrieben haben: „Go to Germany!“

Die Ausstellung „John F. Kennedy“ läuft bis zum 13. Oktober im Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums, Hinter dem Gießhaus 3. Geöffnet ist die Schau täglich von 10 bis 18 Uhr, Eintritt 2 Euro, keine Ermäßigungen, Jugendliche bis 18 Jahre frei, weitere Informationen unter Telefon 20 30 40 .

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