Berlin : Der "Popelbühne" droht das Aus nach zwölf Jahren

Annekatrin Looss

Tanja Hauser braucht 54 000 Mark um ihre "Popelbühne" vor dem Aus zu retten. Vor zwölf Jahren gründete sie die Jugendfreizeiteinrichtung im damals besetzten Haus in der Dunckerstraße 16. Inzwischen kommen wöchentlich rund 250 Kinder und Jugendliche her, nehmen Theater- oder Malkurse, arbeiten mit Keramik oder lernen Schlagzeug spielen. Mitten im sozialen Brennpunkt Helmholtzplatz entstand ein Anlaufpunkt für Jugendliche aus dem Kiez, finanziert mit einer Fehlbedarfszuwendung des Bezirksamtes in Höhe von knapp 200 000 Mark. Nun will das Bezirksamt Prenzlauer Berg die 54 000 Mark Miete für die Bühne sparen, indem sie die Einrichtung in die ehemalige Schule in der Senefelderstraße 6 verlagert.

"Das wäre das Ende für mein Projekt", sagt Hauser. Die Popelbühne lebe davon, dass die Kinder einfach von der Straße in den Raum treten und nicht vorher durch die Gänge eines Gebäudes irren müssten, das zuvor schon als Lazarett oder Kadettenanstalt diente. Auch seien in dem Gebäude die technischen Voraussetzungen nicht gegeben. Die bisherigen Räume der Popelbühne sind zum größten Teil schallisoliert, die Waschbecken in der Keramikwerkstatt haben spezielle Abflüsse, insgesamt wurden Einbauten im Wert von 150 000 Mark vorgenommen.

Geld für den Abbau und Wiederaufbau hat das Bezirksamt nicht vorgesehen. Dabei betreibe sie in ihrer Popelbühne nicht nur Kunst, sondern vielmehr Sozialarbeit. Nicht wenige Kinder, die in die Popelbühne kommen, hätten Verhaltensprobleme oder gälten als sozial auffällig, sagt Hauser. "Ich hole sie von der Straße, bevor sie Dummheiten machen und für den Staat richtig teuer werden." Nun hofft Hauser, auf ein Einsehen des Jugendhilfeausschusses, der sich am kommenden Dienstag mit der Popelbühne beschäftigen wird. Hauser setzt auf eine Sockelfinanzierung, die ihr wengistens Zeit lässt, nach einer neuen Finanzquelle Ausschau zu halten.

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