Berlin : Der Präsident tanzte bis in die Nacht

Köhlers Sommerfest für Projekte und Prominente

Elisabeth Binder

Ausgelassen tanzte Bundespräsident Horst Köhler mit Frau Eva Luise und den erwachsenen Kindern bei seinem Sommerfest im Schlosspark Bellevue bis zum letzten Akkord um zwanzig vor eins. Das ganze Programm tanzte er, von „Wiener Blut“ über „I will survive“ bis zu „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. Fast eine Stunde lang nonstop. Dass nach der offiziellen Schlussansprache und der Illumination des Schlosses nochmal eine Tanzfläche für alle eröffnet wird, ist eine Neuerung, die in den letzten Jahren ins Wasser gefallen ist. Ausnahmsweise hielt sich das Wetter diesmal bis zum Schluss – wie die Spannung während des Spiels der Türkei gegen Kroatien. Der Bundespräsident ging kurz vor seiner Rede kurz noch mal ein Zelt, wo es einen größeren Bildschirm gab.

Befragt von Moderator Peter Kloeppel kommentierte Köhler die EM sogar noch kurz. Er hoffe, dass er jetzt niemanden beleidige, der in der Türkei Freunde oder Verwandte hat, aber er sei trotzdem dafür, dass Deutschland gewinnt. Im Zusammenhang mit dem Wetter entschlüpfte ihm noch mal der Ausdruck „Tabubruch“. Der hat in diesen Wochen, da so viel über eine zweite Amtszeit und die Gegenkandidatin der SPD, Gesine Schwan, gesprochen wird, immer einen besonderen Klang. Dass Gesine Schwan diesmal nicht dabei war, mag auch daran gelegen haben, dass die lange vorher aufgestellten Gästelisten durch die Verkleinerung der Gästeschar von 6000 auf 4000 und die Konzentration auf engagierte Bürger von Jahr zu Jahr variiert. Durch das sportliche Zwischenspiel in Schwung gebracht, unterstrich Köhler: „Das Sommerfest 2008 war so schön. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in Zukunft auf weitere Sommerfeste verzichten kann.“

Kurz vorher hatten unter großem Jubel die Puhdys Oldies wie „Wenn ein Mensch lebt“ gespielt. Das Feuerwerk an Ideen, das viele in der Kultur engagierte ehrenamtliche Bürger und Unternehmen an verschiedenen Ständen vorführten, hätte noch mehr Aufmerksamkeit verdient, auch die neue, eindrucksvolle Galerie der Ehrenamtlichen dürfte ruhig etwas mehr in den Vordergrund rücken. Stattdessen wurde viel darüber getuschelt, warum sich die Politprominenz an diesem Abend rar machte. Sachsens neuer Ministerpräsident Stanislaw Tillich wurde gesichtet, die Ministerinnen Brigitte Zypries und Annette Schavan, ansonsten eher nur Abgeordnete. Harmlosere Gemüter führten das auf die Kombination von Freitag und Fußball zurück. Politik-Kenner deuteten die Fest-Abstinenz anders. Spitzenpolitiker wollten wohl erstmal abwarten, wie sich die Geschichte mit der zweiten Amtszeit entwickelt. Insofern erfüllte sich Köhlers Anfangswunsch, Abstand zu nehmen „von allem, was uns manchmal beschwert oder ständig plagt“, nicht vollständig.

Immerhin Christina Rau, ehemalige First Lady, war diesmal wieder dabei. Wie Bremens Staatsrätin Kerstin Kießler trug sie ein leuchtend rotes Jackett. Eva Luise Köhler hatte sich für ein elegantes schwarzes Ensemble entschieden – mit roten Accessoires. Elisabeth Binder

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben