Berlin : Der Prinz dankt ab

Kammertänzer Oliver Matz verlässt die Staatsoper

Sandra Luzina

Alle großen Prinzenrollen hat er getanzt, aber auch als düsterer Verführer versteht Oliver Matz zu faszinieren. Verführerisch war er in all seinen Rollen – denn Matz weiß nicht nur tänzerisch zu brillieren, sondern verfügt auch über eine wunderbar männliche Ausstrahlung. Die Ballerinen warfen sich gern in seine Arme, er war ein Tanzpartner, stahl den Damen aber schon mal die Schau. Eine seine Paraderollen ist der Onegin in John Crankos gleichnamigem Ballett: ein blasierter Dandy, der sich zu spät der Liebe seines Lebens bewusst wird. Wenn Matz heute Abend als Onegin zum letzten Mal auf der Bühne stehen wird, dann werden erst die Spitzentaschentücher gezückt werden. Und dann wird es Blumen regnen für den 42-jährigen Tanzstar, der vom Publikum heiß verehrt wird.

„Es ist ein Privileg, einen Beruf auszuüben, in den man seine ganze Leidenschaft, seine Verzweiflung und Ängste hineinlegen kann“, sagte Oliver Matz im Tagesspiegel-Gespräch. Dank seiner Hingabe und seines Könnens stieg Matz zur prägenden Persönlichkeiten des Staatsopern-Balletts auf, zudem avancierte er zum international gefragten Gaststar. Seine Ausbildung erhielt der gebürtige Rostocker an der Staatlichen Ballettschule Berlin. Er hat mit namhaften Choreografen in aller Welt gearbeitet. Mit Steffi Scherzer verbindet ihn eine langjährige künstlerische Partnerschaft. Matz/Scherzer waren das unbestrittene Traumpaar des Berliner Balletts. 1995 wurde Oliver Matz als erstem Tänzer überhaupt der Ehrentitel „Berliner Kammertänzer“verliehen.

24 Jahre lang war die Staatsoper seine künstlerische Heimat. Wenn er heute Abend als Onegin seine letzte Pirouette gedreht hat, wird ihm in Würdigung seiner herausragenden Verdienste die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Ganz aus der Ballettwelt wird Matz sich nicht verabschieden. Er wechselt in die Schweiz als designierter Direktor des Departements Tanz an der Hochschule Musik und Theater Zürich. Und wie man hört, ist er voller Tatendrang.

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