Berlin : Der prophezeite Stau auf dem Stadtring blieb auch gestern aus

Werner Schmidt

Allen Voraussagen von Verkehrsexperten zum Trotz gab es gestern den ankündigten Groß-Stau auf dem Stadtring nicht. Lediglich am Morgen zwischen 6 Uhr und 8 Uhr registrierte die Polizei die alltäglichen Staus im Bereich der Zufahrt Holzhauser Straße in Richtung Süden und am Autobahn-Dreieck Wilmersdorf in Richtung Norden: "Aber diese Staus während der morgendlichen Rush-hour haben wir auch ohne Baustellen auf dem Stadtring", sagte ein Beamter vom Verkehrswarndienst der Polizei.

Ein Polizeisprecher vermutete gestern, dass die Autofahrer experimentieren und verschiedene Routen, aber auch unterschiedliche Verkehrsmittel ausprobieren.

Für Eberhardt Lange, Sprecher des ADAC in Berlin, haben die Autofahrer so reagiert, wie man es von ihnen erwarte: "Sie haben private und geschäftliche Fahrten verschoben und bestimmt auch Fahrgemeinschaften gebildet". Wenn auf diese Art der Verkehr entzerrt werde, dann sei man auf dem richtigen Weg, sagte Lange.

Aber erklären kann es keiner: Wo am Montagvormittag die Blechkarawane dicht an dicht stand - an der Bismarckstraße, dem Ernst-Reuter-Platz, der Straße des 17. Juni und den Nebenstraßen - war gestern zur gleichen Zeit weniger Verkehr als an anderen Arbeitstagen. Gleichzeitig verzeichneten weder die BVG noch die S-Bahn einen deutlichen Zuwachs an Fahrgästen. "Ein paar sind es schon - aber es ist kaum spürbar", sagte ein BVG-Mitarbeiter.

Und bei der S-Bahn hieß es: "Nach Beobachtung des Aufsichtspersonals sind es einige Fahrgäste mehr. Auf dem S-Bahnring nutzen mehr Menschen das Angebot". Es sei aber nicht so, "dass wir überrannt wurden", sagte S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Nach wie vor gelte, dass die S-Bahn für all diejenigen, die vom Auto auf die Schiene wechseln wollten, gerüstet sei.

Die Baustellen waren, wie berichtet, eingerichtet worden, weil in den nächsten sechs Monaten drei Autobahnbrücken, die über die A 100 führen, saniert werden. Ursprünglich hatte die Bauverwaltung geplant, auch die marode Hohenzollerndammbrücke in Wilmersdorf zu erneuern. Diese Arbeiten sollten eigentlich in diesem Sommer beginnen. Dann aber sei die Sanierung der anderen Brücken vorgezogen worden: "Wir mussten Prioritäten setzen", sagte die Sprecherin der Verkehrsverwaltung, Petra Reetz. Mit der Erneuerung der Hohenzollerndammbrücke soll nun im Frühjahr 2001 begonnen werden. Der Brückenbau sei zurückgestellt worden, weil man sonst zu viele Verkehrsprobleme in der Stadt bekommen hätte.

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