Berlin : Der Räumungsbeschluss

Die Schwielowsee-Schule soll asbestsaniert werden, der Baubeginn ist unklar. Die Schüler sollen demnächst raus – und die Eltern protestieren

Moritz Honert

Die Kinder der Schöneberger Schwielowsee-Grundschule müssen raus: Ab Februar 2007 werden sie wegen einer Asbestsanierung auf drei Ausweichschulen verteilt. Die Eltern sehen aber derzeit keine akute Gesundheitsgefährdung. Außerdem soll in den nächsten Jahren gar nicht mit den Bauarbeiten begonnen werden. Am 6. Dezember wollen Eltern und Schüler mit einem Demonstrationszug gegen die Räumung protestieren.

Die Vorgeschichte ist kompliziert: 2004 hatte die Senatsverwaltung für Bildung die Sanierung der Ganztagsschule beschlossen. Bereits in den achtziger Jahren war dort Asbest gefunden worden. Aus der von der Schulverwaltung gelobten Modellschule, an der etwa die Hälfte der Schüler nichtdeutscher Herkunft ist, sollte nach und nach eine vierzügige Ganztagsschule mit Kita werden. Für den Beginn der rund zwölf Millionen Euro teuren Renovierungsarbeiten war der Februar 2007 angesetzt. Rund ein Drittel der Kosten hätte der EU-Umweltentlastungsfond getragen.

Zunächst war geplant, die Schüler während der auf zwei Jahre veranschlagten Bauarbeiten in Containern an anderen Schulen zu unterrichten. Im Mai 2006 hieß es dann: Alles zurück auf Anfang. Schon die Ankündigung der Umverteilung hatte die Schülerzahlen zurückgehen lassen. Die Senatsschulverwaltung nahm dies zum Anlass, zu prüfen, ob die Vergrößerung der Schule überhaupt nötig sei. Dadurch verstrich die Frist für den EU-Förderanspruch. Die Bezirksverordnetenversammlung beschloss dennoch, die Sanierungskosten zu tragen. Wie sie finanziert werden, bleibt unklar.

Zur Zeit berät der Bezirk, ob die Schule überhaupt zum geplanten Vorzeigeprojekt auszubauen ist. Das Bezirksamt bezweifelt die Notwendigkeit einer eingegliederten Kita. Fest steht bislang nur, dass die Schüler ab Februar 2007 in Ausweichschulen kommen. Bildungsstadtrat Dieter Hapel (CDU) hält im Übrigen einen Beginn der Sanierung vor 2010 bei der ungeklärten Finanzierungslage für unrealistisch. Das würde bedeuten, dass die Schule drei Jahre lang leer stünde.

Die Elternvertreter reagieren mit Unverständnis. Die Schule wurde seit den Asbestfunden jährlich von einem Fachmann auf etwaige Belastung der Luft in den Räumen überprüft, eine gesundheitsschädigende Konzentration von Asbestfasern sei nicht konstant messbar. Aus Sicht der Eltern ist es unproblematisch, wenn die Kinder bis 2010 in den Räumen der Schule blieben. Für Dieter Hapel nicht. „Die Schule ist in die höchste Gefährdungsklasse eingestuft worden. Ich will kein Risiko eingehen“, sagt er.

Die Eltern befürchten, dass ihre Schule letztlich nach der Umsiedlung der Schüler geschlossen wird. Auch dieser Befürchtung wollen sie am 6. Dezember Ausdruck verleihen.

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