Berlin : Der Rede Reagans gedacht

American Academy erinnert an Mauerworte

John Kornblum setzte den andächtigen Ton. „Der 12. Juni 1987 war der erste Tag der Wiedervereinigung“, sagte der ehemalige US-Botschafter in der American Academy in Grunewald. Da mochte selbst Helmut Kohl, der „Kanzler der Einheit“, nicht widersprechen und zwinkerte seinem Freund George P. Shultz zu, der mit ihm am Dienstagabend auf dem Podium saß. Shultz war in den 80er Jahren Außenminister des mittlerweile verstorbenen US-Präsidenten Ronald Reagan. Dieser hatte fast auf den Tag genau vor 20 Jahren vor dem Brandenburger Tor die heute legendären Sätze gerufen: „Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein!“ Um die im Rückblick visionäre Rede zu würdigen, hatte die American Academy eingeladen. Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Berlins damaliger Bürgermeister Eberhard Diepgen waren in die Villa am Wannsee gekommen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte hingegen auf die Einladung in die ehemalige Erholungseinrichtung der US-Armee nicht reagiert.

Kohl, 77, der wegen einer Knieoperation im Sitzen sprach, lobte Reagans Rede als eine der wichtigsten auf Berliner Boden. Dieser US-Präsident sei zwar für viele nicht gerade der Inbegriff eines Intellektuellen gewesen, er habe aber die Utopie von einem geeinten Berlin gehabt, sagte Kohl und genoss die Lacher. Besonders habe er sich gefreut, so Kohl, als er hörte, Reagan habe gesagt, dass es „Klick zwischen uns“ gemacht habe.

George Shultz, 86, der damals nicht in Berlin war, hob hervor, dass Reagan immer Stärke gezeigt habe und gleichzeitig verhandeln wollte. „Er hat immer an den Wandel geglaubt.“ Als zu unpragmatisch kritisierte Shultz, der George W. Bush im Wahlkampf beriet und sich für nukleare Abrüstung einsetzt, die europäische Haltung im Klimaschutz. „Kyoto kann nicht funktionieren, weil es nicht weltweit unterstützt wird.“ Wie es gehen könne, habe das Montreal-Protokoll gezeigt, in dem sich alle Länder 1987 zum Schutz der Ozonschicht verpflichteten. lich

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