Berlin : Der Reis ist heiß

Der erste Star des Jahres: Tom Cruise feierte gestern im Sony-Center die Europa-Premiere von „Last Samurai“. Für die Rolle des japanischen Kriegers hatte er 25 Pfund abtrainiert

Andreas Conrad

Beim Geiste des Shogun, hier kriegt man was geboten. Erst als Eingangspräsent eine Ledertasche mit „Last Samurai“-Prägung, ein T-Shirt mit ebensolchem Aufdruck und eine schwarze Base-Cap mit rotem japanischen Geschreibsel vorne drauf, was hoffentlich nichts Schlimmes, sondern nur der Filmtitel ist. Und die Pressekonferenz im Adlon hat noch kaum begonnen, da steht Tom Cruise auch schon auf dem Stuhl und zeigt vor der versammelten Presse Rumpfbeugen.

Zwei Rumpfbeugen sind es, um genau zu sein. Die erste – Fingerspitzen gerade mal auf Kniehöhe – soll Toms Beweglichkeit vor dem „Samurai“-Training andeuten, die zweite – Fingerspitzen bis zu den Füßen – die nach dem Training. Natürlich wird er auch erzählen, wie viele Pfund er abgenommen hat (25!) und wie lange er trainiert hat, um fit zu sein wie ein alter Nippon-Krieger (acht Monate mit Schwert).

Im gestrigen Premierenabend im Cinestar unter dem Sony-Zelt gipfelte nun sein dritter Berlin-Besuch, und er hat ihn, was er so erzählt und was man hört, sehr genossen: Ankunft am Sonntagnachmittag, später Bummel Unter den Linden, Besuch im Filmmuseum, bei Billy Wilder, Ernst Lubitsch, Marlene Dietrich, anschließend Essen im Borchardt. Ja, gegen Ende der Pressekonferenz ließ er sich sogar noch das Bekenntnis entlocken, er würde gerne mal einen Film in Berlin und Umgebung drehen.

Aber nun geht es erst mal um seinen neuen. Den hierfür benötigten Bart hatte er schon bei seinem letzten Berlin-Besuch vor zwei Jahren getragen, jetzt ist er auf zivilisiertes Maß gestutzt, und auch die Haare haben nicht mehr Samurai-Länge. In Japan war der Film ungemein erfolgreich, die Europa-Zentrale eines der größten japanischen Konzerne lag da für die Europa-Premiere nahe.

Ab 18 Uhr begannen die Gäste über den roten Teppich zu strömen, darunter Schauspielerin Suzanne von Borsody sowie ihre Kollegen Jürgen Vogel und Christoph M. Ohrt, Hollywood-Haudrauf Ralph Möller und TV-Komödiant Oliver Kalkofe. Tom Cruise, Regisseur Ed Zwick und Filmpartner Hiroyuki Sanada kamen eine halbe Stunde später. Nach weiteren 20 Minuten waren die beiden letzten schon ziemlich weit vorangekommen, Tom hing noch immer am Anfang der Autogrammjägerfront fest – am Ende nahm er sich fast eine Stunde Zeit für seine in der Kälte ausharrenden Fans.

Im Cinestar-Kino sah man sich unversehens ins Land der aufgehenden Sonne versetzt. Der Boden mit Reisstrohmatten ausgelegt, was hier nicht verbürgt werden kann, aber jedes andere Material wäre doch ein Stilbruch. Dazu Bambustopfpflanzen, Servier-Geishas, eine Origami-Künstlerin und meterhohe Banner mit allerlei Japanischem bemalt, ein ganzer Wald von Fahnen wie in „Last Samurai“ oder den Filmen von Akira Kurosawa, auf die sich Regisseur Ed Zwick bei der Pressekonferenz erwartungsgemäß mit Nachdruck berufen hat.

Viel war darin von dem hohen Ethos der Samurai die Rede, dem auch Cruise sich sehr nahe fühlt: „Mit den Werten wie Ehre, Loyalität, Verantwortung kann ich mich identifizieren“, sie seien das, was für ihn einen Mann ausmache. Sich selbst sieht er als „sehr spirituellen Mann“, er glaube, „dass der Mensch kein Tier ist“, sondern etwas völlig anderes. Auch dass er Scientologe sei, wird er später wie beiläufig einstreuen.

Immer wieder loben er, Regisseur Ed Zwick und natürlich auch Mitstreiter Hiroyuki Sanada die Schönheit der japanischen Kultur, preisen den kulturellen Austausch, der auf dem Filmset stattgefunden habe. Wieder und wieder betont Cruise seinen Respekt vor anderen Kulturen, doch müsse man gerade heute über Kommunikation eine gemeinsame Grundlage finden. Bei so hohen Zielen wird er die 70 blauen Flecken, die er bei den Dreharbeiten davontrug, leicht verschmerzt haben.

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