Berlin : Der richtige Dreh

Breakdance schafft es selten auf die Bühne. „Hot Moves“ gastiert im Hebbel

Judith Jenner

Laut schallen die Songs von Hiphop-Legende Grandmaster Flash über den Flur des Kreuzberger Jugendzentrums. Die Stimmung im Tanzsaal ist gereizt, nur zwei Tage bleiben Storm, Raphael und den anderen Tänzern bis zum Auftritt im Hebbel am Ufer. Noch fehlt der richtige Übergang zum letzten Bild. Storm schlägt eine Schrittkombination vor, Niqueeta von der Tanzgruppe Badabash Crew probiert einige Armbewegungen aus. Dann beginnt der Finaltanz wieder von vorne.

Wer hier einfach nur von „Breakdance“ spricht, wird gleich eines Besseren belehrt. „Hinter dem Begriff verbergen sich viele verschiedene Tanzstile“, erklärt Storm. „Das ist so, als würde man alle Latino-Tänze über einen Kamm scheren.“ Storm heißt mit bürgerlichem Namen Nils Robitzky und tanzt seit seinem 14. Lebensjahr. Inzwischen kennt der 36-Jährige die Unterschiede zwischen „B-Boying“, „Crumping“, „Harlemshake“ oder „Chickenhead“. „Jeder dieser Tanzstile hat seine eigene Geschichte“, sagt er. „Allen gemeinsam ist, dass sie auf der Straße erfunden wurden.“

Bei „Hot Moves“ führen Storm und Raphael im Stil einer Fernsehshow Interviews mit Tänzern und Choreographen. Über Videoleinwände werden Beiträge über Mode, Graffiti und Musik abgespielt. Dazwischen gibt es immer wieder Tanzeinlagen. Mit den Aufzeichnungen der Abende wollen sich Storm und Raphael bei Arte für eine monatliche TV-Sendung bewerben. Von 1993 bis 1995 moderierte Storm die Hiphop-Sendung „Freestyle“ auf Viva.

In Deutschland vermisst Storm das öffentliche Interesse am Straßentanz. Zwar hat das Goethe-Institut Storm mit seinem Programm um die halbe Welt geschickt, „aber dass ein Theater uns Tänzern die Türen öffnet, ist die Ausnahme“. In Zusammenarbeit mit der Streetart-Ausstellung „Backjumps - The Live Issue #2“ im Bethanien sei diese Kooperation zustande gekommen. Storm glaubt, dass die Show in dem Theatersaal ihren eigenen Charme entfalten wird. Am heutigen Freitag üben die Tänzer erstmals auf der großen Bühne. Dann muss jeder Schritt sitzen.

„Backjumps – Hot Moves“ heute und morgen jeweils um 20 Uhr im Hebbel am Ufer 1, Eintritt 15/10 Euro, erm. 6 Euro, Freitag nach der Vorstellung Aftershowparty im Wirtshaus am Ufer mit Storm und Runex an den Plattenspielern, Eintritt frei.

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