Berlin : Der Ruf des Westens

Nordrhein-Westfalen lädt nach Berlin gezogene Landeskinder zum Empfang

Anja Brandt

Die sechs Kinder sind erwachsen, leben auf der Welt verstreut, und jetzt wollen die beiden ihre Freiheit noch einmal voll ausleben. Und zwar hier in Berlin. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir uns nicht denken, wie schön es ist, in Berlin zu sein“, sagt Maria Sitzmann. Sie und ihr Mann haben ihre Umzugskartons im September gepackt und sind aus Münster nach Berlin gekommen. Damit sind die Sitzmanns nicht alleine: Über 10 000 Nordrhein-Westfalen haben zwischen März 2009 und Ende Februar dieses Jahres ihren Umzug vom bevölkerungsreichsten Land nach Berlin hinter sich gebracht. Knapp 600 von ihnen haben die Einladung der Landesvertretung NRW angenommen und sind am Sonntag zum „Neubürgerempfang“ in die Hiroshimastraße gekommen.

„Jeder, der aus NRW nach Berlin zieht, ist ein potenzieller Mitstreiter, die Interessen des Landes beim Bund zu vertreten und so die Landesidentität zu stärken“, sagt Tim Arnold, Leiter der nordrhein-westfälischen Landesvertretung. Bei dem Empfang sollen die Zugezogenen die Landesvertretung kennenlernen - aber auch Gleichgesinnte. Unterstützt wird die Behörde dabei vom Verein Westwind, der NRWler in Berlin zum Beispiel an Stammtischen zusammenbringt.

Auch Noha Eid ist in die Hiroshimastraße gekommen, um andere aus der Heimat zu treffen. Vor allem Gleichaltrige. Die 29-jährige Bonnerin hat den Umzug im März 2008 aus beruflichen Gründen machen müssen. „Anfangs war es ein sehr großes Problem, mich hier einzuleben“, sagt Eid, die in Weißensee wohnt. Sie findet es schwierig, richtige Freunde zu finden. „Viele haben schon ihren festen Freundeskreis.“

Eine Studentin ist wegen des Studiums hergekommen. Nach Kreuzberg. Und sie habe sich sofort wie zu Hause gefühlt. „Berlin ist kosmopolitisch, aber nicht geleckt“, sagt sie. Ein junges Paar, er aus dem Rheinland, sie aus Lippe, erzählt, dass es sich gut eingelebt habe. „Man vergisst oft, wo man ist“, sagt sie, „viele unserer Nachbarn kommen aus NRW.“ Zurück wollen die beiden, die jetzt in Prenzlauer Berg leben, erst einmal nicht. Die Sitzmanns sind nach Kladow gezogen und sind überzeugt, dass das Lebensgefühl in Berlin zu ihnen passt. Bei dem Bonner Gero Zimmermann sieht das anders aus: „Mir gefällt der Menschenschlag hier nicht.“

Tim Arnold wiederum, selber vor vier Jahren nach Berlin gezogen, sagt: „Gefühle der Verwurzelung sind da. Und das ist auch gut.“ Eine neue Heimat, die das akzeptiert, sei eine gute Heimat.

Zahlen darüber, wie viele Nordrhein-Westfalen insgesamt in Berlin leben, lagen der Landesvertretung am Sonntag nicht vor. Anja Brandt

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