Berlin : Der Ruf eilt ihnen voraus

Joschka Fischer, Volker Schlöndorff, Martina Münch: Auch Prominente testen sich beim Berlin-Marathon. Sie wollen Bestzeiten – oder einfach durchkommen.

Moritz Herrmann

Wenn sich „Tagesschau“-Sprecher Thorsten Schröder am Sonntag an der Startlinie aufbaut, setzt er eine Tradition fort: Prominente Läufer gehören zum Berlin-Marathon wie die Siegessäule zum Großen Stern. Denn schon bekannte Läufer wie Joschka Fischer, Volker Schlöndorff und Mickie Krause haben einst am Marathon in Berlin teilgenommen.

Schröder nennt sich „Bewegungsjunkie“, vor zwei Monaten absolvierte er den Ironman in Frankfurt, die Hauptstadt berennt er zum zweiten Mal und visiert eine persönliche Bestzeit an: „3:29:02 beim letzten Mal, also will ich es diesmal in 3:29:01 Stunden schaffen.“

Neben dem Ansager wird sich am Sonntag auch Mateo Jaschik, DSDS-Juror und Frontmann von der Dancehallkombo Culcha Candela, unter den Teilnehmern tummeln. Bis zu 80 Kilometer hat er pro Woche abgerissen, die Schuhe an den Füßen und im Kopf immer dieser Marathon. „Es gibt Dinge, die muss ein Gentleman noch schaffen, bevor er ins Gras beißt.“ Dafür holte sich Jaschik einen Profi ins Team. „Andere Musiker geben ihr Geld für Sex und Drogen aus, ich kaufe einen Personal Trainer.“ Ärgerlich nur: Für heute Abend hat der Musiker noch einen Auftritt zugesagt, früh ins Bett kommt er nicht. Sollten die Zuschauer am Sonntag einen kahl rasierten Mann sehen, der in den Getränkestand taumelt, darf davon ausgegangen werden, dass aus Jaschiks kleinem Gig eine große Party geworden ist. „3,5 Stunden wollte ich aber eigentlich schaffen.“

Viele bekannte Gesichter sind mit ehrgeizigem Ziel in den Marathon gestartet, nicht immer wurden sie am Ende von der Uhr bestätigt. FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr blieb 2012 deutlich unter den eigenen Erwartungen, abgelenkt womöglich vom ihn im Wechsel abschottenden Bodyguardtrupp. Die starke Zeit, die der diätfixierte Joschka Fischer 2000 als Außenminister in den Asphalt gejoggt hatte, kratzte Bahr nicht. Fischer, damals Außenminister und bekanntester Läufer der Nation, nahm unter falschem Namen teil. Nach 3:54:29 Stunden spülte er auf Platz 8919 über die Linie. Im Ziel von Kameras und Fotografen umringt, dachte der Grünen-Mann schon über ein neuerliches Antreten im Folgejahr nach. Dann kam 9/11 – und Fischer musste Diplomat sein, nicht Marathonler. Nach ihm probierten sich Journalist Hajo Schumacher und Reporter René Hiepen an der Herausforderung aus, Volker Schlöndorff nahm gleich acht Mal teil, gestählt durch das freizeitliche Rennen am heimischen Griebnitzsee. Die Medaille wiege wenigstens weniger als der Oscar und sei deshalb leichter zu tragen, erzählte der Filmemacher („Blechtrommel“) nach dem Finish 2011. In der Promistaffel testeten über die Jahre Popsternchen Blümchen, Bond-Schurke Götz Otto, Johannes B. Kerner und Boxer Arthur Abraham ihr Lungenvolumen. 2013 versammelt die Staffel vor allem Sportler und Exsportler wie Jonas Reckermann, Ole Bischof, Timo Wess und Marko Rehmer, außerdem die Schauspieler Eva Habermann und Kostja Ullmann. Jeder von ihnen klatscht nach fünf Kilometern für den guten Zweck ab.

Ein bisschen mehr als fünf, nämlich die kompletten 42,195 Kilometer läuft morgen auch die brandenburgische Bildungsministerin Martina Münch. Zum siebten Mal. Warum immer wieder diese Qual? „Ab Kilometer 30 kommt der Schmerz. Aber wenn man durch das Brandenburger Tor einläuft, hat sich alles gelohnt.“

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