Berlin : Der Ruhm liegt auf der Straße

Hollywood, wir kommen: Nach dem Vorbild der amerikanischen Traumfabrik soll nun auch Berlin einen „Walk of Fame“ erhalten – vor dem Friedrichstadtpalast

Heidemarie Mazuhn

Das Muss aller Hollywood-Touristen - der „Walk of Fame“ - bekommt in Berlin Konkurrenz. In der Friedrichstraße 107 – seit bald 20 Jahren die Adresse des neuen Friedrichstadtpalastes – sollen in den Boden eingelassene Messingplatten an die Stars und Personen erinnern, die die über 100-jährige Geschichte des heute einzigen Revuetheaters Deutschlands (und größten Europas) mitgeprägt haben. Die Eröffnung am 31. August um 11 Uhr ist gleichzeitig der Auftakt der Feiern zum 20. Jubiläum des neuen Friedrichstadtpalastes am 27. April 2004.

Bis jetzt erinnerte nur Claire Waldoffs Büste auf dem mit Bänken und Grün gestalteten kleinen Platz vor dem Eingang zur Theaterkasse und der Kleinen Revue an die Vergangenheit des Theaters. „Platz der Stars“ heißt das Areal im Arbeitstitel. „Bis Ende August muss uns ein griffigerer Name eingefallen sein“, sagt Palastsprecher Günter Strohbach.

Die Berliner Variante des „Walk of Fame“ ist eine Mischung zwischen dem Sternenband auf dem Hollywood Boulevard und dem Trottoir vor Grauman’s Chinese Theatre in Hollywood, wo sich Stars mit Hand- und Fußabdrücken verewigen. In Berlin wird es Messingplatten geben, in denen der Handabdruck des Stars, in Beton geformt, eingefügt ist. Außer dem Namen des so öffentlich Geehrten trägt die Platte auch den des Spenders – immerhin jeweils 1000 Euro muss einem sein Star schon wert sein. Von denen, die schon im Artistenhimmel weilen, wird statt des Händeabdrucks ein Autogrammzug in Messing verewigt, auch hier werden die Spender nicht verschwiegen.

Dass am 31. August dergestalt an die ersten acht Palast-Leute erinnert werden kann, verdankt die Stadt privaten Geldgebern wie Opel, dem Freundeskreis Friedrichstadtpalast, Intendant Alexander Iljinskij und dem Ehepaar Klingbeil. Letztere kümmerten sich darum, dass ihrer Freundin Helga „Henne“ Hahnemann so gedacht wird. Dem Intendanten lag Irene Mann am Herzen. Die langjährige ZDF-Fernsehballettdirektorin hatte drei Jahre vor ihrem Tod von 1993 bis 1996 am Friedrichstadtpalast gewirkt. Marlene Dietrich stand dort 1926 in der Girlreihe der Charell-Revue „Von Mund zu Mund“ noch recht unbekannt auf der Bühne – ihre Berliner „Walk of Fame“-Platte ebenso wie die von Caterina Valente sponserte der Freundeskreis.

Der Schlagerstar der 50er und 60er Jahre, der den „Soundtrack des deutschen Wirtschaftswunders“ lieferte, war 1994 im Friedrichstadtpalast aufgetreten. Bis nach Lugano musste Günter Strohbach, um der Valente den Händeabdruck abzunehmen, der daran erinnern soll. Beinahe wäre alles in den idyllischen Luganer See gefallen - fand der Mann aus Berlin doch nicht den Namen der Sängerin von „Ganz Paris träumt von der Liebe“ oder „Tschau, tschau“ am Klingelbrett des feinen, aber abgeschlossenen Hauses. Bis er auf „Umavalente“ stieß und sich - o Wunder – die Türen des Penthouses öffneten. In ihm genießt die 72-Jährige nebst taubem 14-jährigen Dackel den Ruhestand von der Bühne, die sie mit fünf Jahren erstmals betrat.

Ute Lemper drückte ihre Hand schon im Januar in die Abdruckmasse – von Opel gesponsert und in New York, wo Intendant Iljinskij einen beruflichen Schnupperbesuch am Broadway dazu nutzte. Auch an das Intendanten-Urgestein Wolfgang Struck wird erinnert und an den 96-jährigen Ausstatter Wolfgang Leder, der schon für Caterina Valentes Mutter, einen berühmten Musicalclown, arbeitete. Angelika Domröse aus „Paul und Paula“ ist dabei – im Friedrichstadtpalast stand auch sie schon auf der Bühne. Viele andere ebenfalls: Zum Palast-Jubiläum 2004 soll es weitere Gedenkplatten geben – sofern sich Spender finden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben