Berlin : Der Ruhm und die Ruhe

Brad Pitt und Angelina Jolie sind schon wieder in der Stadt – warum die Stars so gerne nach Berlin reisen

Andreas Conrad

Den Beginn der besonderen Beziehung zwischen Berlin und Brad Pitt wird man im Februar 1998 ansetzen dürfen, und dabei war es nicht mal der echte. Zu Beginn der Berlinale hatte ein Fernsehsender einen täuschend echten Doppelgänger durch die Stadt geschickt, um die Reaktionen der Berliner zu testen. Auch auf der Budapester Straße, damals Zentrum des Festivals, wurde er gesichtet, umringt von TV-Teams, was die Passanten nicht weiter beeindruckt hat. Sie guckten halt kurz – und gingen weiter. Menschenauflauf, Kreischchöre? Von wegen.

Eine trotz des Starduplikats für Berlin typische Szene, und vielleicht muss man hier den Grund suchen, weshalb der echte Brad Pitt samt seiner Angelina Jolie und den Adoptivkindern Zahara und Maddox am Sonnabend schon wieder nach Berlin gekommen ist – diesmal für vier Tage.

Nun ist zwar die Stadt immer für eine Reise gut, aber Anfang Februar waren sie schon mal hier, auch nur zum Vergnügen, mit Besuch im Imax-Kugelkino am Potsdamer Platz, im IndoorSpielplatz „Pups“ und dem Café „Nola“ in Mitte. Wie damals logieren sie offenbar im Regent-Hotel am Gendarmenmarkt, was man dort freilich bestreitet.

Das Faible für Berlin kommt kaum zufällig, ist in diesem Fall vielleicht auch mit Brad Pitts Interesse an Architektur und seiner Bekanntschaft mit hiesigen Baukünstlern zu erklären. Aber offenbar ist der Grund weniger individuell als allgemein. Dass ein einzelner Star die Stadt mag – schön und gut. Aber wenn diese Sympathien offenbar typisch sind für seinesgleichen, dann muss man die Ursache vielleicht eher darin suchen, wie die Einheimischen den Reichen, Schönen und Berühmten begegnen. Und hier sind sich die Kenner der Branche einig: Die Berliner tun das mit Gelassenheit.

Zum Beispiel vor Jahresfrist in einem Café am Helmholtzplatz: Unerwartet erscheint Daniel Brühl mit ein paar Freunden, sucht sich einen freien Tisch. Noch kein Star im Brad-Pitt-Format, aber doch allseits gefeiert für seine Hauptrolle in „Good Bye, Lenin!“ Das war den anderen Gäste sicher bewusst, ihr Aufmerken deutlich zu spüren – aber dabei blieb es. Und als Christian Slater, 1996 auf „Broken Arrow“-Promotiontour in Berlin, auch mal in einem Café im Garten von Sanssouci einkehrte, reagierte nur ein einziger Gast hysterisch: eine Amerikanerin.

Beobachtet hatte das Peter Schulze, Berliner PR-Mann der 20th Century Fox und nebenbei für das Imax-Kugelkino am Potsdamer Platz tätig, wo Pitt/Jolie bei ihrem letzten Berlin-Trip vorbeischauten. Die Leute vor den Kassen hatten das natürlich registriert, nach anfänglichem Rätseln, ob es wirklich das berühmte Paar sei. Aber dann haben sie eben ihre Tickets gekauft und sind reingegangen. „Die Leute hier gehen damit lakonischer, mit großstädtischer Gelassenheit um“, erklärt es sich Schulze, ohne sagen zu können, ob das nun echt sei oder nur eine Attitüde. Kreischkonzerte seien für Berlin untypisch, was Aufläufe von Autogrammjägern am roten Teppich nicht ausschließe. Dort seien die Stars sozusagen bei der Arbeit, in Cafés dagegen, die der Star privat besuche, lasse man ihn eher in Ruhe.

Sogar als Star genieße man in Berlin eine „gewisse Anonymität“, glaubt auch Felix Neunzerling, Geschäftsführer der Berliner Zoom Medienfabrik, die lange Zeit Studio Babelsberg betreute und nun für Studio Hamburg arbeitet. „Relativ gelassen, fern jeder Hysterie“ – so beschreibt der PR-Experte die Reaktion der Berliner auf ihre berühmten Besucher, verweist zugleich darauf, wie attraktiv Berlin für diese sei, durch die vielfältige Clubszene ohne Sperrstunde, das lebendige Kunst- und Modeleben und nicht zuletzt die vergleichsweise günstigen Preise für einen Berlin-Aufenthalt, was überraschenderweise gerade bei denen, die viel Geld hätten, oft eine Rolle spiele.

Dass man in Berlin cooler auf die Stars reagieren als anderswo, hat Anke Zindler von der erfolgreichen Münchner Agentur Just Publicity zwar nicht beobachtet, sieht aber ebenfalls eine große Attraktivität der Stadt für die Stars, durch den allgemeinen Umbruch, ihren Aufstieg zur Hauptstadt. Wenn man den Schauspielern für eine Premiere Hamburg oder München anbiete, wollen sie doch lieber nach Berlin, bestätigt eine für einen großen US-Verleih arbeitende Kollegin den Trend. Den Namen Berlin hätten eben alle im Ohr, zudem könnten sie auch als Stars leichter abtauchen, weil die Stadt so groß sei und schon gewöhnt an so hohen Besuch. Das erinnere sie offenbar an New York.

Kurz: In Berlin ist das Leben als Star offensichtlich entspannter als anderswo – gute Aussichten für Sarah Jessica Parker, die hier am Freitag ihren Film „Zum Ausziehen verführt“ vorstellt, und Spike Lee, der eine Woche später kommt, zum Wohle von „Inside Man“.

Natalie Portman hatte mal eine Wohnung in Charlottenburg.

Dustin Hoffman tanzte vor drei Jahren leidenschaftlich im 90 Grad.

George Clooney sah man über den Gendarmenmarkt spazieren.

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