Berlin : Der Schein trügt

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VON TAG ZU TAG

David Ensikat erklärt, warum der Ring vorm Tor kein Schein, sondern ein Tor ist

Heiligenschein? Hat jemand was von Heiligenschein gesagt? Dies wird ein ökumenischer Kirchentag, da kann man nicht so tun, als sei die Christenwelt noch ungeteilt katholisch. Die Protestanten halten Heiligenscheine ja eher für was Scheinheiliges.

Nun schwebt da ein orangener Ring überm Pariser Platz, der, wenn man aus dem Osten guckt, das Brandenburger Tor zu sanktifizieren scheint (das Brandenburger Tor, auf dem einmal die Fahne der Gottlosen wehte). Ein Heiligenschein, ein Heiligenschein!, werden alle, die von Osten gucken, rufen. Und sie werden sich gar nicht wundern: Der Papst hat ja schon so viele heilig gesprochen, vielleicht ist er bei den Menschen jetzt durch und macht bei den Bauwerken weiter.

Wir aber rufen zurück: Nein, kein Heiligenschein. Das sieht zwar so aus, wenn man von Osten guckt, ist aber ein „Himmelstor“. Das symbolisiert das Kirchentagsmotto, auf das die PRAbteilung des Einzelhandelsverbandes ganz neidisch ist: Durchgehend (H)offen.

Es hat also gar keinen Zweck zu mutmaßen, dass der liebe Gott eine Heiligsprechung von Bauwerken nicht gutheißen könnte und dies gestern durch eine steife Brise kundgetan hätte. Der starke Wind nämlich verhinderte es, dass der orangenfarbene Heliumring überm Pariser Platz aufgeblasen wurde.

Schauen wir uns die Sache heute mal an. Heute kriegen sie’s (so Gott will) bestimmt hin. Und dass der Ring nicht selbst leuchtet (die Bauvorschriften!), ist sowieso egal. Ist ja kein Heiligenschein.

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