Berlin : „Der Schiedsrichter hat das Spiel massakriert“

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Von Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Die Türkei hat gegen Costa Rica 1:1 gespielt. Jetzt wird es knapp für sie. Schon das erste WM-Spiel nach 48 Jahren endete für sie in einem Desaster: „Der Schiedsrichter hat das Spiel massakriert“, titelte die Tageszeitung Türkiye nach der 1:2-Niederlage ihrer Mannschaft am Montag. Damit wollte die Zeitung sagen, dass der koreanische Schiedrichter katastrophal gepfiffen hat. „Wir haben alles getan, um gegen die Brasilianer zu gewinnen. Aber wir haben nicht an den südkoreanischen Schiedsrichter gedacht, der seine Pfeife benutzt hat, wie ein Hackmesser“, beschwerte sich die Zeitung. Die heftige Reaktion ist der tiefe Ausdruck der Enttäuschung gegenüber dem koreanischen Schiedsrichter, Kim Young-Joo. Mehr als 4000 türkische Soldaten hatten im Korea-Krieg 1950 an der Seite von Südkorea gekämpft.

Der koreanische Schiedsrichter hatte zwei türkischen Spielern die rote Karte gezeigt und den Brasilianern einen Elf-Meter-Schuss erlaubt. Die Hürriyet empfand das als ungerecht: „Nicht der Sambatänzer sondern der Koreaner hat uns fertig gemacht.“ Dazu veröffentlichte das Blatt Pressestimmen aus dem Ausland: „Die Welt hat den Schiedsrichter ausgebuht“, fasste sie die Hürriyet zusammen. Wie tief die Enttäuschung über seine Entscheidungen ist, wird in einem Kommentar der Türkiye deutlich. „Schäm Dich vor den Märtyrern“, lautet dazu die Überschrift.

„Hat der Schiedsrichter Kim Young-Joo nicht an die türkischen Märtyrer gedacht, die auf dem Friedhof in der Nähe des WM-Stadions begraben sind“, fragte der Kommentator bitter-ironisch. Und weiter hieß es: „Alle, die das Spiel gesehen haben, wussten, dass die Koreaner gegenüber den Türken Dankbarkeit empfinden, weil sie im Stadion unsere Mannschaft angefeuert haben.“

„Mehmetçik“ nennen die Türken im übrigen liebevoll ihre Soldaten. Mehmet ist ein weit verbreiteter Männer und „Mehmetçik“ ist die Verniedlichung davon. Den Koreanern stehen nun schwere Zeiten bevor. „Wir werden nicht nur über den Schiedsrichter reden müssen sondern auch über die hohen Herren in der koreanischen Regierung diskutieren. In den ganzen 52 Jahren hat kein einziger koreanischer Präsident die Türkei besucht.“

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