Berlin : Der Schindler von Berlin

Gedenkstein für den Briten Frank Foley

Andreas Conrad

Die beiden Jüdinnen hatten keine Chance. Die Tochter verkrüppelt, die Mutter 80 Jahre alt – sie hätten es wohl nie geschafft, 1938 Deutschland lebend zu verlassen. Bis Emmy Hirschberg, die Tochter, sich mit einem Brief direkt an den Leiter der britischen Passabteilung in Berlin wandte: Wenige Tage später hatten sie ihr Visum – ausgestellt auf „Ehepaar Hirschberg“, aber die Ausreise gelang.

Die Welt kennt den Schweden Raoul Wallenberg und spätestens seit Spielbergs Film auch den Deutschen Oskar Schindler. Der Brite Frank Foley, der seine Arbeit in der Berliner Botschaft seines Landes nutzte, um schätzungsweise 10 000 Juden das Leben zu retten, ist dagegen weitgehend unbekannt geblieben. 1959, ein Jahr nach seinem Tod, wurde ihm ein Gedächtnishain auf einem Hügel bei Jerusalem angelegt, die Bäume spendeten Menschen, die er gerettet hatte. Erst 1999 erhielt er eine Gedenktafel in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Heute nun wird Frank Foley auch in Berlin geehrt: Botschafter Sir Peter Torry enthüllt in der britischen Botschaft einen Gedenkstein, Anlass ist der 120. Geburtstag des früheren Botschaftsangehörigen. Auch Foleys Nachkommen, Verwandte von geretteten Juden, Vertreter jüdischer Organisationen, die Chefhistorikerin des Foreign Office, Gill Bennett, sowie Foleys Biograf Michael Smith werden bei der Zeremonie dabei sein.

Nicht zuletzt Smith’ vor fünf Jahren erschienenem Buch „Foley: The Spy Who Saved 10 000 Jews“ ist es zu verdanken, dass Foleys Wirken nun doch noch die verdienten Ehrungen findet. Dass so wenig darüber bekannt war, lag wohl auch an der persönlichen Bescheidenheit Foleys, der seine Hilfe als selbstverständlich für ihn als Christen verstand. Zudem gehörte Geheimhaltung zu den zentralen Anforderungen an Foleys Arbeit in Berlin: Hauptamtlich war er im Range eines Captain für den britischen Geheimdienst tätig, die Arbeit als Leiter der Passabteilung übte er nur zur Tarnung aus.

Während der zunehmenden Repressionen gegen Juden wurde die Tiergartenstraße 17, Sitz der Passabteilung, zu einem Ort der Hoffnung. Besonders nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 standen die von Verfolgung und Tod Bedrohten dort Schlange, teilweise soll die Kette anderthalb Kilometer lang gewesen sein. Die Vorschriften legte Foley – das Beispiel des „Ehepaares“ Hirschberg zeigt es – sehr lax aus. Da er keine Immunität als Diplomat besaß, riskierte er schon dabei Kopf und Kragen, doch fuhr er sogar in Konzentrationslager, um bereits Verschleppte doch noch freizubekommen. Auch in seiner Wohnung in der Lessingstraße 56 nahm er Flüchtlinge auf, nutze seine Agententätigkeit, um Flüchtlinge mit falschen Pässen zu versorgen.

Am 25. August 1939 schloss Foley sein Büro in der Tiergartenstraße. Von ihm ausgestellte Papiere halfen aber auch danach noch hunderten jüdischer Kinder, mit Hilfe der US-Botschaft zu entkommen. Foley kehrte nach England zurück, arbeitete nun dort für den Geheimdienst – und verhörte Rudolf Hess, nachdem dieser über England mit dem Fallschirm abgesprungen war.

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