Berlin : Der Schlossmacher

Manfred Rettig, Chef der Stiftung Humboldt-Forum.

Diese eine Nacht hat er dann doch schlecht geschlafen, vor der großen Prüfung. Wegen der bangen Frage: Ob der Keller des Humboldt-Forums auch wirklich dicht ist? Ein Schloss zu bauen auf einer Insel in der Spree, wo in der Nachbarschaft Großprojekte wie die Staatsoper in Kosten- und Terminchaos versinken, das lässt nicht mal einen wie ihn kalt: Manfred Rettig, in den 1990er Jahren Manager des Regierungsumzugs von Bonn nach Berlin samt Neubau eines Dutzends Ministerien – und nun eben: Schlossbauherr. Dass der Schlosskeller den Test bestand, verwundert nicht wirklich, denn der gelernte Architekt überlässt nichts dem Zufall. Den Erdboden unter dem Schloss hat er durchlöchern lassen wie einen Schweizer Käse, um die Grundpfeiler sicher zu verankern. Und für die täglichen Baustellenbesuche steigt der 57-Jährige mit anthrazitfarbenem Anzug in knallgelbe Gummistiefel – seitdem Dauerregen, märkischer Sand und Zementstaub schon ein paar Lederschuhe zersetzt haben. Und wie begegnet der Rheinländer den Zweiflern, die nur auf eine Panne am Schlossplatz warten? Mit einem verschmitzten Lächeln, das Freude an der Herausforderung verrät – und Zuversicht, das Großprojekt stemmen zu können.

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