Berlin : Der Schlossplatz wird historisierend wieder aufgebaut

C. v. L.

Der künftige Senat wird bei der Gestaltung des Schlossplatzes vermutlich in die historische Richtung marschieren. Besteht schon seit längerem Einvernehmen über den Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie, so ist in den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD vereinbart worden, den Platz "im historischen Erscheinungsbild" wiederherzustellen. Damit ist nach Auskunft von CDU-Generalsekretär Volker Liepelt der Wiederaufbau des Stadtschlosses weiterhin möglich. Er sei aber nicht beschlossen worden.

Eine Entscheidung, die viel offen läßt, mit der beide Seiten aber nach Auskunft von Verhandlungsteilnehmern gut leben können; die CDU sieht ihre Hoffnungen auf einen Wiederaufbau mit schlossähnlichem Charakter gestärkt, die SPD keine Vorentscheidung für das Schloss. In den Gesprächen war allerdings von einer "strategischen Grundsatzentscheidung" die Rede, was die äußere Form eines Neubaus betrifft. Beide Seiten hätten den Vorsatz, das Problem anzupacken und gegenüber dem Bund deutlich zu machen, dass er als Grundstückseigentümer Stellung beziehen müsse. Offen sind weiterhin die künftige Nutzung und die Finanzierung eines Neubaus auf der Fläche des alten Stadtschlosses. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) war bislang kein Freund der historischen Lösung, hatte vor "Schnellschüssen" gewarnt und eine längere Debatte über Nutzung, Finanzierung und Form eines Neubaus verlangt. Erst nach einem Bauwettwerb 2001 sollte entschieden werden, ob das alte Stadtschloss wieder aufgebaut wird oder eine neue Architektur gefunden wird, "die auch auf so große Akzeptanz stößt wie das Schloss".

Das Bundesbauministerium hatte darauf hingewiesen, dass Bonn und Berlin erst gemeinsam klären müssten, was man auf dem Schlossplatz eigentlich wolle. Im Senat rechnet man damit, dass die neue Stellungnahme zum Schlossplatz beim nächsten Treffen der Ministerpräsidenten der neuen Länder - dazu gehört auch der Regierende Bürgermeister - mit dem Bundeskanzler erörtert wird. Gerhard Schröder hatte den Wiederaufbau des Stadtschlosses befürwortet, der Kulturbeauftragte der Bundesregierung, Michael Naumann, als Voraussetzung dafür ein stimmiges Konzept verlangt. Der Stadt fehlten zum Beispiel ein Festsaal, ein Gästehaus der Regierung oder ein repräsentatives Kongresszentrum in der Innenstadt.

Die Kosten eines Neubaus werden auf eine bis zwei Milliarden Mark geschätzt, wobei in letzter Summe der Wiederaufbau der Schlossfassade mit 100 Millionen Mark veranschlagt ist.

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