Berlin : Der Schlüssel zum Schloss

Nach kleinerer Sanierung könnte es in Niederschönhausen im April wieder Führungen und Veranstaltungen geben

Christian van Lessen

Wie giftig ist Schloss Schönhausen, wie hoch belastet von Holzschutzmitteln aus DDR-Zeiten? Nicht so stark jedenfalls, dass nicht schon wieder an eine Öffnung des Schlosses gedacht wird. Es war vor einem Jahr als Ausweichquartier für den Bundespräsidenten im Gespräch, bis ein Gutachten einen zu hohen Sanierungsaufwand ermittelte. Projektleiter Peter Tiedt vom städtischen Liegenschaftsfonds denkt nun bereits an eine teilweise Wiedereröffnung im April.

Geplant sind kleinere Führungen und Veranstaltungen oder auch eine Ausstellung über die Geschichte des Hauses. „Noch laufen Kontrollmessungen“, sagte Tiedt, das Ergebnis der Luft-Untersuchung wird in Kürze erwartet. In den vergangenen Wochen hatte es im Haus kleinere Umbau- und Sanierungsarbeiten gegeben: Vor allem wurden Ritzen an Wänden und Türen verdichtet, hier und da auch Schutzwände gezogen. Das Geld, rund 12000 Euro, stammte von der städtischen GeSoBau. Die Wohnungsgesellschaft spendierte dafür den Erlös ihres alljährlichen Kunstfestes im Schlossgarten.

Tiedt hofft, dass bald wenigstens das Erdgeschoss wieder weitgehend genutzt werden kann. Das Obergeschoss mit dem Barocksaal aber bleibt gesperrt. Das Gutachten, das die Präsidentenpläne durchkreuzte, war kurz vor dem erwarteteten Parlamentsbeschluss für einen Umzug nach Niederschönhausen bekannt geworden. Insgesamt wurden für die Sanierung des Hauses Kosten von zwölf Millionen Euro geschätzt, fast zehn Millionen mehr als zunächst veranschlagt. Nun soll der Präsident ins Schloss Charlottenburg ziehen, wenn sein Amtssitz Bellevue von August an für zwei Jahre saniert wird.

Was aus Schloss Schönhausen in Pankow werden soll, ist noch immer unklar. Das Land Berlin hatte auf eine Übernahme des Grundstücks durch den Bund gehofft. Zumindest in der Nachbarschaft, in zwei älteren Bürobauten am Rand des Schlossparks an der Ossietzkystraße, siedelt sich die Bundesakademie für Sicherheitspolitik aus Bonn an. Die Akademie – übergeordnete Behörde ist das Bundesverteidigungsministerium – versteht sich als „oberste und zentrale Fortbildungsstätte des Bundes sowie nationales und internationales Diskussionsforum zur Frage der Sicherheitspolitik“.

Tiedt betonte, die Ansiedlung habe mit dem Schloss nichts zu tun. Kurfürst FriedrichIII. hatte das Schloss 1691 gekauft, 1949 zog hier der erste DDR-Präsident Wilhelm Pieck ein, bis 1989 wurde es als Gästehaus der DDR-Regierung genutzt.

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