Berlin : Der Schmerz kehrt mit jedem Jahrestag zurück

Lars von Törne

Was ihr Sohn Klaus vor dem Aufprall wohl gedacht haben mag, fragt sich Hannelore Bothe, wenn in diesen Tagen wieder überall zu sehen ist, wie das zweite Flugzeug in den Turm fliegt. Am Montag ist sie mit ihrem Mann und dem älteren Sohn in der American Church am Schöneberger Dennewitzplatz. 300 Gäste sind zur Gedenkfeier für die Opfer der Anschläge gekommen. Die Bothes sitzen in der zweiten Reihe und lauschen still, als US-Botschafter Timken sie namentlich begrüßt. „Diese Bilder, die jetzt zu sehen sind, reißen bei mir alles wieder auf“, hat Hannelore Bothe Tage zuvor am Telefon gesagt. Dann sind sie und ihr Mann aus dem Heimatort in der Nähe von Karlsruhe nach Berlin gefahren. Am Jahrestag selbst mag sie mit niemandem von der Presse sprechen.

Am 11. September 2001 hatte ihr Sohn noch von Boston zu Hause angerufen. Es war der dritte Geburtstag seiner Tochter Lara. „Er gratulierte ihr und sagte, er rufe abends nochmal an.“ Dann stieg der 31-Jährige mit zwei Kollegen in das Flugzeug, das sie nach Los Angeles bringen sollte. Die drei arbeiteten für das deutsche Softwareunternehmen BCT, das gute Kontakte in die USA pflegt. Regelmäßig flog Klaus Bothe rüber. Auch, nachdem er für seine Familie ein neues Haus in der Nähe der Eltern gebaut hat. Kurz nach dem Start wurde die United-Airlines-Maschine 175 mit ihm an Bord gekapert und nach New York gelenkt. Um 15.03 Uhr deutscher Zeit flog sie in den Südturm des World Trade Centers.

„Ich denke immer noch jeden Tag daran, es ist ein ständiges Auf und Ab“, sagt Hannelore Bothe. Klaus war der Motor der Familie, sagt sie, so lebendig, sie hätten viel Zeit zusammen verbracht. Sie weine immer noch viel. Aber sie will auch, dass das Leben weiter geht. Ihre Schwiegertochter habe einen neuen Partner, und das sei richtig so. Lara wurde gestern Acht. „Oma, Du bist sicher traurig, aber ich möchte auch meinen Geburtstag feiern“, erklärte die Enkelin ihr.

Am liebsten würde Hannelore Bothe in diesen Tagen die Bilder aus New York von sich fern halten. Aber sie will, dass die mehr als 50 deutschen Opfer nicht vergessen werden. Nicht, um aufzurechnen, aber um die Erinnerung lebendig zu halten. Und um den Amerikanern zu danken, die ihnen Hilfe und Beistand gegeben hätten. Beim Gottesdienst wirkt sie gefasst. Nur einmal, als der Priester sagt, dass man oft nicht versteht, wieso Gott sich nicht einmischt, da streicht sie sich eine Träne aus dem Auge.

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