Berlin : Der schnelle Zug ins Zentrum

Kürzere Fahrzeiten, mehr Fahrgäste: Der Nord-Süd-Tunnel ist vor allem für den Nahverkehr ein Erfolg

Klaus Kurpjuweit

Eine Milliardensumme haben der Bund und das Land sowie die Bahn in den Ausbau der Bahn-Anlagen in Berlin investiert – und die Ausgabe hat sich nach Ansicht des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) gelohnt: Seit der Eröffnung des Nord-Süd-Tunnels und des Hauptbahnhofs Ende Mai 2006 sei die Zahl der Fahrgäste auf den Berliner Regionalbahnhöfen um 15 Prozent gestiegen, teilte VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz gestern mit. Wo investiert werde, sei der Nahverkehr erfolgreich.

Deutlich mehr Fahrgäste gab es auf den Strecken, auf denen sich durch den Tunnel die Fahrzeit aus dem Umland ins Zentrum der Stadt erheblich verkürzt hat. Nach Angaben von Franz gab es auf der Strecke von Angermünde über Eberswalde nach Berlin einen Anstieg der Fahrgastzahlen um 40 Prozent; die Fahrzeit hat sich von einer Stunde und elf Minuten auf 58 Minuten verkürzt. 30 Prozent mehr Fahrgäste waren es zwischen Fürstenberg und Löwenberg, wo sich die Fahrzeit um 22 Minuten verringert hat. Und auch auf der Anhalter Bahn über Lichterfelde lag der Zuwachs abschnittsweise bei 30 Prozent.

Nur fünf Prozent mehr Kunden saßen dagegen in den Zügen der Dresdner Bahn aus Elsterwerda. Hier hat sich die Fahrzeit kaum verringert, weil in Berlin die Fortsetzung der Strecke fehlt. Deshalb müssen die Züge einen Umweg fahren.

Franz forderte deshalb, die Dresdner Bahn durch Lichtenrade schnell aufzubauen. Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren. Einen ähnlichen Erfolg bei den Fahrgastzahlen könnte der Wiederaufbau der Nordbahn durch Frohnau haben; doch hierfür gibt es derzeit keine aktuellen Pläne.

Doch nicht alle Fahrgäste konnten sich über kürzere Fahrzeiten freuen. Die Züge im Regionalverkehr waren, wie berichtet, vor allem im Herbst extrem unpünktlich. Teilweise erreichten nur 80 Prozent die Bahnhöfe so, wie es im Fahrplan vorgesehen ist. Derzeit liege die Pünktlichkeit aber wieder bei 92 bis 95 Prozent, sagte Brandenburgs Bahnchef Joachim Trettin.

Doch dabei wird es nicht bleiben. Wenn nach dem Winter wieder gebaut werde, seien Verspätungen nicht zu vermeiden, kündigte Trettin an. Franz forderte von der Bahn, die Bauarbeiten besser als in der Vergangenheit abzustimmen. Hier habe es zuletzt große Probleme gegeben.

Ein erfolgreicher Nahverkehr schütze auch das Klima, sagte Franz weiter. Durch den Umstieg der neuen Kunden vom Auto in die Bahn sei der CO2-Ausstoß rechnerisch um 9000 Tonnen zurückgegangen. Deshalb sei es wichtig, weiter in den Nahverkehr zu investieren.

Auch die S-Bahn profitierte vom neuen Konzept. Auf der Stadtbahn zählte sie mit täglich 600 000 Fahrgästen 20 Prozent mehr in den ersten neun Monaten.

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