Berlin : Der Schriftsteller Axel Hacke erhielt den "Preis für Lebensfreude"

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Was assoziieren Sie, wenn Sie an Berlin denken? Preußen. Herz. Schnauze. Humor. Verwegener Menschenschlag. Durchhaltevermögen. Milljöh. Es gibt viele Schlagworte, die das Besondere des Berlinischen kennzeichnen. Dass sich eine besondere Begabung zum süßen Leben darunter verbirgt, stand lange nicht zur Debatte. Berliner waren eher berühmt für ihr Talent zur Improvisation in schweren Zeiten als für einen ausgeprägten Hang zu den schönen Dingen des Lebens. Der gekonnte Umgang mit Luxus, die Feier der Schönheiten des Lebens fanden immer weiter im Westen statt.

Steht auch da eine Wende in Sicht? Noch Mitte der 80er Jahre konnte ein Weintrinker in vielen hiesigen Lokalen, wenn überhaupt, wählen zwischen "Rot" oder "Weiß", in ganz ehrgeizigen Etablissements kam noch die Option "Rosé" dazu. Inzwischen hat sich das längst geändert. Eine Armada von Luxusrestaurants ist eingezogen in das einst so spartanische Preußen und den Preis für Lebensfreude haben wir auch noch errungen. Verliehen wird er von Moet & Chandon, dem Hersteller der prickelnden Essenz der Lebensfreude, was ein zusätzliches Signal dafür gibt, dass die Freude an gutem Essen und Trinken nichts Schändliches hat.

Leider bedarf es solcher Signale hierzulande immer noch; in der Hinsicht hatten (und haben) die mediterranen Völker einfach einen Zivilisationsvorsprung. Ein Zeichen dafür, dass Geist und Lebensfreude gern zusammengehen, war zum einen die Tatsache, dass der Jury der kürzlich verstorbene große Publizist Johannes Gross vorstand. Zum anderen steht auch der Preisträger, der Schriftsteller und Autor Axel Hacke, für einen positiven Umgang mit der Freude am Leben. Die gehört schießlich dazu, wenn man, wie er, den Widrigkeiten des Alltags immer wieder mit ebenso liebens- wie nachahmenswertem Humor trotzt. Es kommt gar nicht in erster Linie darauf an, selber Lebensfreude zu haben, sondern viel besser noch ist es, sie zu verbreiten. Die Reden waren so auch gespickt mit lustigen Anekdoten über den teils holprigen Weg des Geehrten in die Sphären des süßen Lebens.

Bezeichnend die Reaktion von Hackes Frau, der die freudige Nachricht telefonisch übermittelt wurde: "Sie bekam einen Lachanfall", berichtete Axel Hacke. "Ich und der Preis der Lebensfreude - wo mir doch sonst die Melancholie aus den Ohren quillt." Zwecks Training der eigenen Lebensfreude überließ Palace-Direktor Karl Stiehle dem Geehrten die elegante Präsidentensuite. Der fand sie "so groß wie sonst ein ganzes Hotel".

Unter den Gästen neben Jack White, Hartwig Piepenbrock, Regina Ziegler und Horst Wendtland auch ZEIT-Autorin Sabine Rückert, die knapp geschlagen wurde. Auf den Preis stieß die Festgemeinde mit viel Champagner an. Damit er umso bekömmlicher würde, gab im Restaurant First Floor des Hotels Palace ein Galadiner das Fundament für alle möglichen weiteren Ausschweifungen. So freuten sich die Gäste unter anderem an Terrine vom Rehfilet mit Gänseleber und Preiselbeervinaigrette und Atlantik Steinbutt auf Steinpilzen mit Basilikum. Das "Savoir Vivre" mag nach wie vor ein schwer zu übersetzender französischer Ausdruck sein, aber wir holen auf. Die Botschaft war immerhin doch eindeutig. Wer mit gutem Gewissen genießt, kann kein ganz schlechter Mensch sein.

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