Berlin : Der Schuldner zückte eine Waffe

Russischer Ex-Offizier wegen Mordes an Autohändler vor Gericht

Kerstin Gehrke

Es ging um ein fälliges Darlehen. Autohändler Karlos M. verlangte 3000 US-Dollar zurück, die er seinem Geschäftsfreund Vladimir P. geliehen hatte. Dieser, ein ehemaliger russischer Offizier, bat um Aufschub – und kam zum Gespräch mit einer Pistole in der Tasche. „Ich war völlig verwirrt, ich habe nicht bewusst und nicht gezielt geschossen“, erklärte er gestern vor dem Berliner Landgericht. Er habe den 46-jährigen Armenier M. getötet. Den Vorwurf des heimtückischen Mordes weise er aber zurück.

Der 47-jährige Vladimir P. war in seiner Heimat an einer Militärakademie ausgebildet worden und brachte es später zum Major. In Berlin gründete der dreifache Vater ein Reiseunternehmen. Im Dezember 2002 hatte er von dem Gebrauchtwagenhändler M. ein Darlehen für den Kauf eines Reisebusses erhalten. Karlos habe dann „im Befehlston“ die Rückzahlung gefordert, erklärte der Angeklagte. Der Autohändler habe gedroht: „Du hast Kinder, die könnten bald Invaliden sein.“ Aus Angst will P. die „Makarow“ eingesteckt haben. „Ich wusste, dass Karlos skrupellos, geldgierig und gefährlich ist.“

Am 21. Oktober letzten Jahres erschien P. auf dem Firmengelände des Autohändlers in Biesdorf. Karlos habe gedroht, seine „Leute zu mobilisieren“, sagte der Angeklagte. Er habe den Autohändler mit der Waffe nur beeindrucken wollen. Im Gerangel und in der „überhitzten Situation“ seien die Schüsse gefallen. Acht Kugeln trafen den Armenier. Er erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Der Verteidiger von P. will im Prozess eine Verurteilung wegen Totschlags erreichen. Sein Mandant sei ein „russischer Tapsbär“. Karlos M. dagegen habe Geld mit Wucherzinsen verliehen. „Er hat Schulden mit Todesdrohungen und Erpressungen eingetrieben“, sagte der Anwalt am Rande des Prozesses. Wütend konterte ein Freund des Getöteten: „Karlos hat gern geholfen, keine Zinsen verlangt.“ Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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