Berlin : Der schwere Weg zum Ehrenamt

Wer helfen will, hat häufig mit vielen Hürden zu kämpfen – zum Beispiel mit Gleichgültigkeit und einer überbordenden Bürokratie. Ein Leidensbericht

Sabine Beikler

Was macht der Mensch, wenn er sich ehrenamtlich engagieren will? Er könnte auf die Idee kommen, sein zuständiges Bezirksamt anzurufen und sich dort erkundigen, wo er helfen kann. Doch den Gedanken sollte er schnell wieder vergessen. Hört man die Erfahrungen, die Juliane Margedant mit Berliner Behörden in Sachen Ehrenamt gemacht hat.

Frau Margedant rief im Rathaus Schöneberg an und bat darum, mit einem kompetenten Ansprechpartner verbunden zu werden. Die Rückfrage der Telefonistin lautete unter lautem Gekicher „Wat isn det?“. Nach drei vergeblichen Verbindungsversuchen war die eigene Recherche gefragt. „Wütend“, sagt Juliane Margedant, habe sie dann im Sozialamt angerufen. „Das sagte mir meine eigene Logik.“ Dort habe man ihr versichert, man suche „händeringend“ ehrenamtliche Mitarbeiter. Zu diesem Zweck müsse sie aber persönlich vorstellig werden.

So kaufte sich Frau Margedant am nächsten Tag für 2,20 Euro eine Fahrkarte, setzte sich in den Bus und fuhr ins Sozialamt in die Steglitzer Strelitzstraße. Der „nette Mensch in der obersten Etage“, sagt sie, habe über drei in Frage kommende ehrenamtliche Tätigkeiten referiert: a) Sozialkommission, b) Altenbetreuung und c) Mitarbeit in Freizeitstätten, wo, so der „nette Mensch“ wörtlich zu Frau Margedant, „sich Senioren wie Sie zum Tanz treffen“.

Nun ist Juliane Margedant eine humorvolle Frau und sagt, sie müsse an diesem Tag offenbar wie ihre eigene Großmutter ausgesehen haben. Zwar sei sie in den Fünfzigern, fühle sich aber noch lange nicht zum „alten Eisen“ gehörig. Trotzdem hörte sich Frau Margedant an, wo sie gebraucht werden könnte. Position a, die Sozialkommission, sucht Leute, die Bürger sozusagen für ihre Verdienste ehren. Einem Jubilar zum Beispiel einen Strauß Blumen vorbeibringen. Nur, so einfach wird man kein ehrenamtliches Kommissionsmitglied. Das Prozedere sieht ein polizeiliches Führungszeugnis vor, und auch ein Personalbogen muss ausgefüllt werden. Frau Margedant sagte daraufhin verwundert: „Ich will keine Festanstellung bei der armen Stadt. Ich will umsonst etwas tun.“

Das interessierte aber nicht. Man erzählten ihr, dass – nachdem die Formalitäten erledigt sind – diese Kommission das erst einmal prüfen werde. Danach werde der Stadtrat sie berufen. Und danach würde sie vereidigt werden.

Frau Margedants wandte daraufhin ein, dass sie jahrelang beim Bundestag als Verwaltungsangestellte tätig gewesen war, dass sie unter anderem in der ersten Bundestagsenquetekommission zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mitgearbeitet hatte, dass sie geheimdienstlich „durchgecheckt“ sei – und dass sie sich in ihrer Heimatstadt Meckenheim schon einmal ins „Goldene Buch“ eintragen durfte. Übrigens: Wegen ihres ehrenamtlichen Engagements in der dortigen „Kleiderstube“ für bedürftige Bürger.

Das wurde erst einmal überhört. Als sie dann einwandte, dass sie aufgrund der beruflichen Tätigkeit ihres Mannes in Berlin nur für eineinhalb Jahre in der Stadt bleiben werde, hieß es, dass dann eine ehrenamtliche Tätigkeit ohnehin nicht in Frage komme.

Juliane Margedant hat sich dann selbst nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit umgeschaut: Durch die Vermittlung ihres Blumenhändlers betreut sie inzwischen zwei ältere Damen, begleitet sie bei Einkäufen und leistet ihnen Gesellschaft. „Ich will dafür nichts haben, nur hoffe ich, dass solche unangenehmen Formalitäten künftig abgeschafft werden.“

Die Freiwilligenagentur „Treffpunkt Hilfsbereitschaft“ vermittelt ehrenamtliche Tätigkeiten unter 030-20 45 06 36. Der Paritätische Wohlfahrtsverband gibt telefonisch Informationen unter 86000 1181. Weitere Infos auch über www.berlin.de/buergeraktiv.

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