Berlin : Der Schwimmbiss

Der Potsdamer Hobbykapitän Steven Götze betreibt den Riversnack – die einzige schippernde Bratwurstbude in der Landeshauptstadt.

Benjamin Lassiwe
Blau-weiße Bude.
Blau-weiße Bude.

Potsdam - Backbord liegt die Glienicker Brücke, Steuerbord Schloss Babelsberg. Und mittendrin, auf der Glienicker Lake, steht Steven Götze auf seinem Boot und dreht die Würste um. Seit vier Jahren betreibt der gelernte Schlosser den „Riversnack“, die einzige schwimmende Imbissbude der Brandenburgischen Landeshauptstadt. Einen Gasgrill hat er an Bord, Gefriertruhen sowieso. „Ich verkaufe Bratwürste, Buletten, Eis, Kaffee, Cocktails“, zählt Steven Götze auf, während sein Boot auf den Wellen dümpelt.

Da nähern sich einige Paddler. Steven Götze ist in seinem Element. Mit einer Glocke fängt er an zu bimmeln. „Lust auf ein Eis?“, ruft er den Paddlern zu. Doch die rudern weiter. Kein Glück für den Würstchenmann, dieses Mal. „Die Idee ist mir auf meinem eigenen Boot gekommen“, berichtet Götze. „Da hatte ich immer mal wieder Lust auf eine Bratwurst oder ein Eis.“ Ob es anderen Menschen wohl auch so ginge? Götze war davon überzeugt. Zusammen mit einem Freund beschloss er, einen schwimmenden Imbiss zu bauen. Doch das war leichter gesagt als getan. „Bei den Behörden stießen wir zunächst auf Unverständnis“, erinnert sich Götze. Eine schwimmende Bratwurstbude – wer ist denn da eigentlich für die Genehmigungen zuständig? „Wir wurden von Pontius zu Pilatus geschickt.“ Doch schließlich überzeugten die Tüftler die diversen Ämter. Die Gasanlage wurde zugelassen, die nötigen Hygienebescheinigungen erteilt. Der „Riversnack“ lief aus zu seiner Jungfernfahrt.

Heute hat Steven Götze seine Stammkunden. Wenn er an einer Badewiese oder einem Strand vorbeikommt, irgendwo zwischen der Glienicker Lake im Norden und Glindow im Süden, schwimmen ganze Familien zu ihm an die Bordwand und kaufen Eis am Stiel. Motorbootkapitäne drehen bei, Paddler legen an. Und immer wieder erntet er erstaunte Blicke: Als die „Rheinland“, ein vom Großen Wannsee kommendes Berliner Ausflugsschiff, vorüberfährt, klicken die Kameras der Ausflügler, beim „Sperber“ wenige Minuten später ist es nicht anders. „Wenn ich für jedes Foto einen Euro nehmen würde, wäre ich heute schon Millionär“, sagt Götze.

Bratwürste und Eis gehen da erheblich schlechter. „Tagsüber arbeite ich in meinem Beruf als Schlosser bei MTU, auf dem Wasser bin ich nur am späten Nachmittag und am Wochenende“, sagt Götze. Ein paar hundert Euro gibt er jeden Monat für den Sprit für seinen Außenbordmotor aus, Rekordgewinne erwirtschaftet er so kaum. „Meine Steuerberaterin sagt, dass es kostendeckend ist“, sagt Götze. Idealismus gehört eben auch dazu.

Da dreht ein Motorboot bei, winkend grüßt ein Hobbyskipper. „Eine Boulette bitte und ein Wasser“, sagt der Berliner Yachtbesitzer. Steven Götze greift zur Zange, packt das Grillgut auf eine Pappe und reicht es über seine Bordwand. Einige Münzen wechseln den Besitzer, und die kleine Yacht fährt weiter, havelaufwärts, Richtung Spandau. Und auch Steven Götze startet seinen Motor, um nach Haus zu fahren, in den Sonnenuntergang.

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