Berlin : Der Senat streicht Personalmittel für Anti-Drogen-Projekt

Susanne Vieth-Entus

Das vor zwölf Jahren in Kreuzberg begründete und 1994 auf Prenzlauer Berg ausgeweitete Anti-Drogen-Projekt "Schule und Sucht" steht vor dem Aus. Die Schulverwaltung bestätigte gestern, dass es dafür im nächsten Schuljahr keine Mittel gebe. Die Aufgaben sollten soweit möglich von Koordinatoren in den Bezirken wahrgenommen werden.

"Wir würden das Projekt gern erhalten, müssen es aber aus finanziellen Gründen schweren Herzens streichen", kommentierte Rita Hermanns, Sprecherin von Schulsenator Klaus Böger (SPD), die Entscheidung. Es geht um sieben Lehrerstellen, da rund 70 Pädagogen wöchentlich zwei bis drei Stunden vom Unterricht freigestellt sind, um die Präventionsarbeit zu leisten.

"Das Projekt ist nicht nur in Berlin, sondern in ganz Europa einmalig," betonte Diplompädagogin Elke Langbehn, die von Anfang an dabei war. Das Besondere sei, dass an den 25 Grund- und Oberschulen feste Teams arbeiteten, die kontinuierlich Präventionsarbeit leisteten und dabei ständig vom Bezirksteam des Projekts unterstützt würden. Dies bedeute, dass nicht nur akut suchtgefährdete sondern auch die übrigen Schüler besser betreut werden könnten.

"Wir wollen die Kinder stark und mutig machen, damit sie Drogen widerstehen können", erläuterte Günter Urban, Lehrer an der Grundschule am Planetarium. Dazu gehöre, dass man den Kindern helfe, Aggressivität abzubauen, Konzentrationsschwierigkeiten in den Griff zu bekommen und Beziehungsprobleme zu lösen. Urban verweist darauf, dass es weit und breit keine Freizeitangebote für diese Altersgruppe gebe. Deshalb steckten die Lehrer ihre Freistellungsstunden auch in Arbeitsgruppen am Nachmittag.

Katrin Kundel, Leiterin der Kurt-Schwitters-Gesamtschule, verweist darauf, dass die "Kompetenz und Sensibilität" ihres Kollegium in Drogenfragen durch das Projekt, zudem auch Lehrerfortbildung gehört, erheblich zugenommen habe. Anders könne man mit der "rasanten Entwicklung" im Drogenbereich nicht Schritt halten.

Elisabeth Müller-Heck, Referentin für Gesundheitsförderung in der Senatsschulverwaltung, betont, dass sich längst auf Bezirksebene ein System der Suchtprophylaxe gebildet habe. Insofern gebe es jetzt eine andere Situation als in den 80er Jahren.

Diplompädagogin Langbehn sieht dies anders. Die Lehrer aus den Schulteams des Projekts seien viel näher an den Schülern als die Koordinatoren in den Bezirken. Sie könnten in den häuslichen Bereich der Kinder gehen, ihnen eher helfen, mit individuellen Konflikten zurechtzukommen. Denn Kinder in scheinbar unüberwindlichen Konflikten seien wesentlich empfänglicher für Drogenangebote und Missbrauch. Das alles könne ein einzelner nicht bewältigen. Nun hofft sie auf Unterstützung der Landesdrogenbeauftragten und der Abgeordneten, auf deren Initiative hin das Projekt einst entstand.

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